Blog • Ebern • Rentweinsdorf •
Grafik

Im Baunachgrund um Ebern

TurmbreitVinatge1500hoch



EBERN • Kirchweih vom 13. bis 17. September 2018

Herbstkirchweih in Ebern

Ebern-Rummelplatz-Kirchweih
Abgebildet: Rummelplatz wird aufgebaut


Donnerstag, 13.9. bis Montag, 17.9.2018

Alter Sportplatz am Bahndamm:
Rummelplatz


Freitag, 14.9.2018

Marktplatz:
Bauernmarkt von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr

Städtische Turnhalle:
Kirchweihtanz der Fleisch- & Wurstfreunde Ebern – Heubach e.V., Einlass ab 19.30 Uhr


Samstag, 15.9.2018

Kirchweihmusikanten ziehen ab 17:00 Uhr durch Eberner Lokale 


Sonntag, 16.9.2018

Stadtpfarrkirche St. Laurentius:
Festgottesdienst, 10:00 Uhr

Marktplatz:
Kirchweihmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr 

Marktplatz:
Blasorchester Ebern, Kirchweihkonzert ab 14:00 Uhr

Angaben ohne Gewähr

∗∗∗
POLIT-KABARETT • Kalkofes Mattscheibe knöpft sich Dorothee Bär vor

„Aushängeschild“ wird verladen

Eingebettetes Video: Kalkofes Mattscheibe, via Facebook (Ton einschalten!)

Abstimmung im BundestagDatum  Wie abgestimmt?
Verschärfung der Mietpreisbremse7.6.2018  dagegen
Diätenanpassung der Abgeordneten13.12.2017  dafür
Abschaffung der sachgrundlosen Befristung23.6.2017  nicht btlgt.
Schaffung einer zentralen Gesellschaft für Autobahnen und Bundesstraßen1.6.2017  dafür
Verbot von unkonventionellem Fracking24.6.2016  nicht btlgt.
Höhere Regionalisierungsmittel für den Bahnverkehr12.5.2016  nicht btlgt.
Grundsätzliches Fracking-Verbot28.4.2016  dagegen
Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen13.4.2016  nicht btlgt.
Neuzulassung von Glyphosat verhindern25.2.2016  dagegen
Umsetzung Aktionsprogramm Klimaschutz 20203.12.2015  nicht btlgt.
Neubausubventionen für Atomkraftwerke in der EU verhindern2.7.2015  dagegen
Rückwirkende Erhöhung von Kinderfreibetrag und Kindergeld18.6.2015  nicht btlgt.
Private- und kommunale Holzvermarktung auf Landesebene erlauben26.3.2015  dagegen
Kennzeichnungspflicht von Gen-Honig13.3.2014  dagegen
Diätenerhöhung 201421.2.2014  dafür


Wer äußerte sich am häufigsten zur Digitalisierung? 

Laut einer Analyse der WBS-Gruppe äußerten sich FDP-Politiker/innen am häufigsten zum Thema Digitalisierung. CSU-Politiker/innen sprachen am seltensten darüber, obwohl die Partei Dorothee Bär als Staatsministerin für Digitalisierung stellt. Die WBS-Gruppe hatte nach eigenen Angaben alle Parlamentsdokumente und alle Social-Media-Beiträge der Bundestagsabgeordneten zum Stichwort „Digitalisierung“ unter die Lupe genommen.

(ibg, 17.8.2018, aktualisiert 22.8.2018)

∗∗∗
FREIBAD EBERN • Voraussichtlich 7 Millionen Sanierungskosten?

Millionen, die (noch) keiner hat

Eingebettete Karte: Google Maps; Sanierungskosten der Schwimmbäder in Unterfranken

Ein Thema, das schon seit einiger Zeit durch die Zeitungen gereicht wird: Viele Schwimmbäder sind marode und müssten aufwändig saniert werden. Gelingt es nicht, die Gelder dafür aufzutreiben, droht die Schließung. Zwar konnte für etliche Hallenbäder eine Lösung gefunden werden (wie zuletzt der Hallenbad-Neubau in Ebern), aber für Freibäder sprudeln (noch) keine Geldquellen.

Auf der Karte oben sind unterfränkische Bäder eingezeichnet, rot markierte stehen unter Umständen vor der Schließung. Klickt man in der Karte auf ein Schwimmbad-Symbol, dann tauchen die voraussichtlichen Sanierungskosten des betreffenden Bades auf. Für Ebern sollen das 7 Millionen Euro sein – allerdings verrät die eingebettete Google-Karte leider nicht, wer diese Summe auf welcher Grundlage geschätzt hat.

Das Eberner städtische Freibad ist zwar noch nicht akut betroffen, aber weil der Zahn der Zeit unaufhörlich weiter an Technik und Bauten nagt, wird die Stadt in den nächsten Jahren an einer Generalsanierung kaum vorbeikommen können.
(ibg, 14.8.2018)

∗∗∗
WASSERQUALITÄT • Kein EU-Badegewässer

Schwimmen im Weißfichtensee?

Ebern-Weissfichtensee-Baden
Abgebildet: Hund beim Baden im Weißfichtensee

Im Weißfichtensee baden nicht nur Hunde, sondern öfters auch Menschen, Erwachsene wie Kinder. Doch wie sieht es eigentlich mit der Wasserqualität aus? Wird sie regelmäßig durch das Gesundheitsamt des Landkreises Haßberge untersucht? Die Webseite des Landkreises erklärt: 

EU-Badegewässer zählen zu den Badestellen, die einer besonderen Überwachung nach den Vorgaben der europäischen Union unterliegen. Die Wasserqualität wird durch das Gesundheitsamt … regelmäßig überprüft.“ 

Kein EU-Badegewässer

In der anschließenden Aufzählung der EU-Badegewässer kommt aber der Weißfichtensee auf der Webseite gar nicht vor – anders als etwa der vergleichbare Seidenhäuser See bei Altershausen. Also kein EU-Badegewässer und keine Kontrolle der Wasserqualität am Weißfichtensee?

Wo doch der See touristisch beworben wird, zum Beispiel auf der Webseite Haßberge-Tourismus.de oder im Internetauftritt des Naturparks Haßberge.

Zu denken geben auch diverse Pressemeldungen, die immer mal wieder das Thema „multiresistente Keime“ thematisieren und sorgenvoll fragen: „Gefahr für Badegäste?“ Hatte doch die Sauerländer Bürgerliste zum Beispiel erst im Juni 2018 einen Antrag in den Kreistag des Hochsauerlandkreises eingebracht:

„Die Kreisverwaltung wird beauftragt eine umgehende, vollständige und transparente Überprüfung der Badeseen/Talsperren im Hochsauerlandkreis auf multiresistente Keime durchzuführen und diese Daten zu veröffentlichen.“ 

Den Gästen am Weißfichtensee wäre schon mit der einfachen Information geholfen, ob die Wasserqualität unbedenklich ist oder nicht. Die Farbe des Sees jedenfalls schreckt oft genug vom Baden ab.
(ibg, 6.8.2018)

∗∗∗
GESCHICHTE • 1863 Unglück in Neuses am Raueneck

Das Löschunglück von 1863

Handdruckspritze Obercunewalde
Symbolbild: „Handdruckspritze Obercunewalde“, Baujahr 1882, TMg, Lizenz: CC BY-SA 2.0 DE, via Wikimedia Commons

Der folgende Text (mit originaler Rechtschreibweise) stammt wörtlich aus der Augsburger Postzeitung vom 12. September 1863:

„(Unglücksfall.) Unlängst äscherte ein Brand in Neuses, Ldg. Ebern, eine Scheune ein. Nachts gab es wieder Feuerlärm auf der Brandstätte. Diese schloß einen Brunnen ein, in welchen glimmende Balken gefallen waren.

Ein junger Mensch aus einem nahe gelegenen Dorfe stürzte beim Löschen in diesen Brunnen. Ein Ortsnachbar stieg auf einer Leiter nach, um ihn zu holen; er fand ihn schon betäubt; doch bald gab auch er kein Lebenszeichen mehr von sich. Nun stieg des Letzteren erwachsener Sohn in den Brunnen und hatte schon ein Seil an den beiden Verunglückten befestigt, als auch ihn das Bewußtsein verließ.

Alsbald ließ sich ein Dienstknecht mit einem Seile umschlingen und stieg in die giftige Oeffnung. Er war so glücklich, die drei verloren Geglaubten zu Tag zu befördern. Der erste ist blind geworden, der zweite leidet noch an Schwindel und der dritte hat das Gedächtniß verloren, so daß er z.B. nicht mehr die Tageszeiten zu unterscheiden weiß.“

(ibg, 23.7.2018)

∗∗∗
GEWONNEN • Preisgeld für 100 Heimatschätze

Preisgeld für das Heimatmuseum

Ebern-Preis-Heimat-externBild
Bild: © Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat
Die Eberner Vertreter bei der Preisverleihung am 13.7.2018 in München


Wie das Bayerische Heimatministerium im Januar 2018 bekannt gegeben hatte, suchten die Landesstelle für nichtstaatliche Museen und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege – in Kooperation mit dem Heimat- und Kunstministerium – die „100 besten Heimatschätze“.

Bis zum 23. April 2018 konnten sich alle nichtstaatlichen Museen in Bayern bewerben. Den Gewinnern waren 1.000 Euro Preisgeld in Aussicht gestellt worden.

Die Jury hat nun die (makabere) Bewerbung des Heimatmuseums Ebern mit dem Prädikat „Heimatschatz“ inklusive Preisgeld gewürdigt. Die Verantwortlichen des Museums hatten nämlich einen sogenannten „Leichenbitterstab“ ins Rennen geschickt.

Ein Leichenbitter überbrachte Todesnachrichten und lud zum Begräbnis ein. Bis ins 19. Jahrhundert hinein ging er von Haus zu Haus und klopfte mit seinem Stab an die Tür oder den Fensterladen. Laut Wikipedia betrat er das Haus aber nicht, weil der Tod nicht in die Häuser hineinkommen sollte.

Aus nächster Umgebung wurden zwei weitere Ausstellungsobjekte als Heimatschatz prämiert, und zwar eine jüdische Kinderhose (Haus der Kultur – ehem. Synagoge Reckendorf) und ein „Rückert Gedicht“ im Friedrich.Rückert.Poetikum Oberlauringen (Link zum Bild).
(ibg, 14.7.2018)

∗∗∗
LESER-ENTWÜRFE • Tracht feiert fröhliche Urständ

Leser schöpft neue Haßberge-Tracht

Hassberge-Tracht-01
Hassberge-Tracht-02
Ein Leser hat uns seine Entwürfe zu einer „Haßberge-Tracht“ zukommen lassen

Ein Leser, der nicht genannt werden möchte, hat sich durch unseren letzten Beitrag „Das Trachten-Phänomen“ inspirieren lassen und sich seine eigenen Gedanken zum Aussehen einer „Haßberge-Tracht“ gemacht.

Bei den Entwürfen fällt – wie bei der „echten“ Tracht – insbesondere die wilde Farbkombination Rot-Gelb-Grün auf. Die Farben entstammen dem Landkreiswappen und sollen die „Authentizität“ der Tracht unterstreichen.
(ibg, 3.7.2018)

∗∗∗
FOLKLORE UND FAKELORE • Neue Outfits mit traditionellen Elementen

Das Trachten-Phänomen

Ebern-Trachten
Abgebildet: Trachten im Eberner Heimatmuseum

Dirndl und Lederhosen haben seit Ende der 1960er-Jahre das Münchner Oktoberfest erobert. Das gleiche Phänomen ist seit mehreren Jahren auch bei den Besuchern der Erlanger Bergkirchweih zu beobachten, vor allem bei jungen Besuchern. Die Trachten-Welle ist so riesig, dass sie bis in die letzen Winkel des Landes schwappt.

Inzwischen ist die Trachten-Begeisterung auch bei uns angekommen, und sie ist sogar von der jungen auf die mittlere Generation übergesprungen. Dort will man den Trachten-Aufputz – oder das, was dafür gehalten wird – nicht nur kaufen, sondern auch selber nähen.

Allerdings entstammen die „Trachten“, die heute getragen werden, oft der Fantasie. Kaum eine ist eins zu eins nach historischen Vorbildern angefertigt. Manchmal orientieren sich die historisierenden Pseudo-Trachten wenigstens grob an alten Gewändern, wie sie zum Beispiel im Heimatmuseum Ebern zu sehen sind.

Die dort ausgestellten Trachten vermitteln uns eine Vorstellung von der Eleganz vergangener Jahrhunderte, eine Harmonie in der Kleidung, wie sie selbst in agrarisch geprägten Landschaften sonntags zur Schau gestellt wurde. Wie schwierig sich dagegen ein modernisierender „Nachbau“ gestaltet, der lediglich Elemente der Kleiderhistorie betont, sie munter miteinander verquirlt, macht dieses aktuelle Foto aus dem Mitteilungsblatt der VG Ebern verständlich (PDF-Download).

Nichtsdestotrotz haftet der Tracht wohl eine starke Kraft an: Wer Tracht trägt, der wollte schon immer in gewisser Weise seine Zugehörigkeit demonstrieren, zum Stand, Beruf, Ort, zur Konfession, zu seiner Region oder einer Mischung aus diesen Komponenten der jeweiligen Heimat.

Aber auch das geht: Einfach das tragen, was wie Tracht aussieht. Sogar ganz speziell für den Altkreis Ebern wird man fündig, wenn auch in Heselbach bei Wackersdorf in der Oberpfalz. Die folgenden Links geleiten einen zu Kerstins Landhausmode.


Link-Bild

Landhausmode:  Dirndl, Bluse, Schürze – „Ebern“

Link-Bild

Landhausmode:  Trachtenhemd – „Breitbrunn“

Link-Bild

Landhausmode:  Herren Sneakers – „Seßlach“

Link-Bild

Landhausmode:  Trachten-Hemd – „Hofheim“

(ibg, 25.6.2018)

∗∗∗
ALTE KASERNE • Folgen „überhöhter Geschwindigkeit“

Schon wieder: Eile ohne Weile

Ebern-FrgrdHalle-Wiese
Abgebildet: Wiese neben Frauengrundhalle und Hotel im Gewerbepark „Alte Kaserne“

Eine Wiese, parkähnlicher Charakter, mit zwei Fußballtoren, etwa so groß wie ein Sportplatz, umrahmt von Bäumen, teilweise Aussicht in den Baunachgrund, attraktive ruhige Lage direkt neben Stadthalle und Hotel, viele Parkplätze, Bistro in der Nähe, voll erschlossen, provisionsfrei – da wird man schon zugeben müssen, dass es sich um ein Filetgrundstück handelt.

Die Absicht, an diesem Standort eine Abfüllanlage für Fleisch-Smoothies zu errichten, sorgt auf den Eberner Straßen und bei Facebook im Internet für rege Diskussionen. Bürgermeister und Stadtrat bekommen dort regelrecht ihr „Fett weg“. So wird zum Beispiel von einigen Facebook-Nutzern fehlende Offenheit und Transparenz im vorausgegangenen Entscheidungsprozess bemängelt. „Hinterzimmer-Politik“ könnte man das nennen, aber es fehlen auch grundsätzlich regelmäßige Auskünfte über die Beratungsgegenstände nichtöffentlicher Sitzungen.

Zum aktuellen Fall sind schon mehrere Leserbriefe in den Zeitungen erschienen – in diesem Maße unüblich für Eberner Verhältnisse.

Vertreter/innen der örtlichen CSU haben sogar ein Bürgerbegehren aufgelegt. Die Unterschriftenlisten liegen in diesen Geschäften aus:

Eberner Tankstellen, EDEKA-Markt, Metzgerei Hümmer, Maler Klee, Schuhmarkt, Bäckerei Schoder (Norma), Tabakwaren Heim, Stil Leben (Neubrückentorstraße), Gasthaus zum Stadl, Friseursalon Zirbik, Stadtapotheke


Die Frage des Bürgerbegehrens lautet:

„Sind Sie dafür, dass die Grün- und Freiflächen an der Frauengrundhalle dauerhaft erhalten bleiben, insbesondere, dass die Flächen nicht verkauft werden und im Eigentum der Stadt Ebern bleiben?

Begründung:

Die Stadt Ebern beabsichtigt, die in ihrem Eigentum stehenden Freiflächen (Teilfläche FlNr.: 1478) zu veräußern. Der Erwerber beabsichtigt, die betreffenden Grundstücke gewerblich zu bebauen. Der Stadtrat hat den Verkauf bereits behandelt. Diese Flächen sind jedoch für die Weiterentwicklung als Kultur-und Veranstaltungsbereich unersetzlich und es ist möglich, die geplante Gewerbeansiedlung an anderer Stelle zu verwirklichen, zum Beispiel durch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete, um die geplante und ausdrücklich begrüßte Ansiedlung eines Gewerbebetriebes im Stadtgebiet zu ermöglichen. Die Begründung, auf dem Areal auch eine Photovoltaik-Anlage zu errichten, insbesondere im Hinblick auf den Status der Fläche als Konversionsfläche, kann für einen freihändigen Verkauf ebenso nicht ausreichend sein.


Nur, die Beteiligung der Bürger/innen könnte vielleicht schon zu spät erfolgt sein, denn wenn der Kaufvertrag erst unterschrieben ist, dann könnte das Bürgerbegehren ins Leere laufen. Der Stadtrat könnte gegebenenfalls das Bürgerbegehren mit der gleichen Begründung wie in Königsberg (Sparkassen-Bürgerbegehren) ablehnen: „Es gibt keine (ausreichende) Rechtsgrundlage für die Rückabwicklung (des Verkaufs).“ 

Parallelen zur Vorgehensweise bei der Sparkassenfusion sind also kaum zu übersehen: Nichtöffentliches Beraten und Abstimmen, enger Zeitplan – bevor die Öffentlichkeit merkt, worum es geht, sind unumkehrbare Fakten geschaffen.

Wen übrigens Folgendes noch interessiert, der kann bei der Augsburger Allgemeinen nachlesen, warum der Kreistag Landsberg sich gegen eine Sparkassenfusion entschieden hat.

Lesetipp: „Verschlossene Türen statt Transparenz“,
Mittelbayerische Zeitung vom 10.4.2017
(ibg, 6.6.2018)


Medienchronik 
∗∗∗
TEST • Wie schmeckt Fleisch aus der Flasche?

Fleisch aus der Flasche

Eingebettetes Video der Hamburger Morgenpost via Youtube

Wie wird Fleisch flüssig? – Pürieren! Wie das Video zeigt, gibt es schon Fleisch aus der Flasche, vermischt mit flüssigem Gemüse. Die Hamburger Morgenpost hat den Trank getestet, der zum Trendgetränk werden soll. Ergebnis: Die Konsistenz ist wie Suppe, der Geschmack wohl auch. Also: Aus Suppe wird jetzt Fleisch-Smoothie. Wer den selber probieren möchte, kann sich ihn online bei „Pete and Phils“ kaufen.

Ebern-Frauengrundhalle-Wiese
Im Bild: Vor der Frauengrundhalle eine Wiese, derentwegen ein Bürgerbegehren läuft

Und was hat das mit Ebern zu tun? Hier soll eine Abfüllanlage für das künftige Trend-Gebräu entstehen, bis zu 30 Arbeitsplätze könnte das bringen, schrieb infranken.de am 16. Mai 2018. 

Allerdings gefällt vielen Facebook-Nutzern der Standort neben der Frauengrundhalle im Gewerbegebiet der alten Kaserne nicht. Zudem steht die Informationspolitik der Stadt in der Kritik, weil der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung über den Standort diskutiert hat und auch schon beschlossen haben soll, dass die Wiese neben der Frauengrundhalle an den betreffenden Investor verkauft werde.

Im Mitteilungsblatt der VG Ebern (Ausgabe vom 1. Juni 2018, S. 4) bestätigte Bürgermeister Jürgen Hennemann, dass der Grundstücksverkauf vom Stadtrat nichtöffentlich beschlossen worden sei. Das künftige Betriebsgebäude solle ein „architektonisches Highlight“ werden, nämlich ein „bei uns sehr seltener Kuppelbau“, so der Bürgermeister weiter.
(ibg, 28.5.2018)

Rehlingen - Biogasanlage
Bild: „Rehlingen - Biogasanlage“, Oxfordian Kissuth, Lizenz: CC BY-SA 3.0,
via Wikimedia Commons


Karte: OpenStreetMap.org; blauer Marker: Gelände neben der Frauengrundhalle

∗∗∗
BEFRAGUNG • Teilnahme noch bis 30. Juni 2018 möglich

Mobilitätsbefragung

Mobilitaetsbefragung
Symbolfoto: ibg

Im Altkreis Ebern kann das öffentliche Linienverkehrsnetz, abgesehen vom Erfolgsmodell Baunachgrundbahn (Agilis), kaum glänzen. Viele Ortschaften sind per Bus sogar nur über Schulbuslinien erreichbar, die, wie ist es anders zu erwarten, nur an Schultagen verkehren.

Jetzt gibt es vonseiten des Landkreises Haßberge eine Befragung zum Mobilitätsverhalten der Bürger/innen, angeblich um „Mobilitätslösungen“ abzuleiten und um ein „Mobilitätskonzept“ zu erstellen.

Den Fragebogen kann man hier downloaden. Von den Ergebnissen sollte man sich möglicherweise nicht allzu viel versprechen, denn mit den Antworten lässt sich im Zweifelsfall allerhand begründen, auch ein weiteres Ausdünnen des Busliniennetzes.

Da sich der Radwegebau in der Vergangenheit als probates Mittel erwiesen hatte, um die Einrichtung von nutzbaren Buslinien zu umschiffen, ist es vielleicht ganz praktisch, dass es im Fragebogen die Antwortkategorie „Fahrrad“ gleich zweimal gibt, nämlich einmal nur als „Rad“ und zusätzlich noch als „Pedelec/E-Bike“. Die Antwortkategorie „Andere“ lässt einen Freitext zu, den die Teilnehmer/innen selbst eintragen können. Wir schlagen hier das „Flugtaxi“ vor.
(ibg, 15.5.2018)

∗∗∗
SPARKASSENFUSION • Interessierte Kreise wollten Presse Maulkorb verpassen

„Berichterstattung einstellen“

KarikaturDieGutePresse1847
Symbolbild: „KarikaturDieGutePresse1847“, unbekannter Künstler, gemeinfrei,
via Wikimedia Commons

Zur Beschreibung der Karikatur heißt es bei Commons.Wikimedia.org: „In der Karikatur Die gute Presse von 1847 aus unbekannter Feder steht der Krebs für Rückschritt, der Spiegel des Krebses für die Rückwärtsgewandtheit, der Maulwurf für Blindheit, Kerzenlöscher für Dunkelheit, die Schere und Stift für Zensur, die Rute für Drangsal, die Augen für Überwachung, die Kinder für den bevormundeten Bürger, der Schafskopfspolizist für die Dummheit der Staatsmacht und der Spitz für die Spitzelei.“


Glaubt jemand an die Unabhängigkeit der Medien und die Unbeeinflussbarkeit von Journalisten? Um es gleich vorneweg zu sagen: Das bleibt jedem selbst überlassen.

Jedenfalls, man denkt nicht richtig gelesen zu haben, was der Journalist Peter Schmieder von der Main-Post in der Main-Post am 18. April 2018 unter dem Titel „Standpunkt: Zerrbild der Pressefreiheit“ veröffentlicht hat.

Wörtlich heißt es dort: „Ich bin nicht der einzige Journalist, der in den vergangenen Wochen von Kommunalpolitikern und Sparkassenvertretern aufgefordert wurde, die Berichterstattung über die Aktivitäten von Rainer Gottwald einzustellen.“

So viel Offenheit und Ehrlichkeit verdient allergrößten Respekt! Ob diesen Mut (Solidarität?) auch noch die erwähnten Kollegen aufbringen werden? In welchem anderen Licht sich aber die „Kommunalpolitiker“ und „Sparkassenvertreter“ sonnen dürfen, das kann sich nun auch jeder selber ausmalen.

Was ist uns von Im-Baunachgrund.de aufgefallen? Zum Beispiel, dass die „Königsberger Zeitung“, die sonst über jede in Königsberg gegrillte Bratwurst berichtet, den Termin von Dr. Gottwald (17.4.2018) in Königsberg geflissentlich übersehen hat.

Vielleicht gibt es jetzt sogar einen Grund mehr, beim Bürgerbegehren zu unterschreiben.
(ibg, 18.4.2018)

∗∗∗
BÜRGERBEGEHREN-START • Versammlung am 20. April 2018, 19:00 Uhr

Dr. Gottwald kommt nach Ebern

Ebern-Suedeinfahrt
Abgebildet: Ebern, Südeinfahrt mit Gasthof Frankenstuben (links)

Dr. Rainer Gottwald, der sich bundesweit einen Namen als Sparkassenkritiker gemacht hat, wird am Freitag, 20. April 2018, Ebern besuchen. Um 19:00 Uhr eröffnet er im Gasthof Frankenstuben eine Versammlung zum Thema „Rückabwicklung der Sparkassenfusion Ostunterfranken-Schweinfurt“.

Auf der Versammlung besteht Gelegenheit, sich in Unterschriftenlisten einzutragen, mit dem Ziel, über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid herbeizuführen.

Die Frage des angestrebten Bürgerentscheids lautet:

Sind Sie dafür, dass die Fusion der Sparkassen Ostunterfranken und Schweinfurt rückabgewickelt und die Sparkasse Ostunterfranken wieder selbstständig wird?“

Der Bürgerentscheid (Ja-oder-Nein-Frage) kann aber erst stattfinden, wenn er vorher mit einem Bürgerbegehren (Unterschriftensammlung) erfolgreich beantragt worden ist. Dabei zählen nur handschriftliche Unterschriften (keine Online-Unterschriften!) auf einer ausgedruckten Unterschriftenliste. 

Das Formular können Sie von der Webseite openPetition.de herunterladen und ausdrucken.


Weitere Versammlungen in

Haßfurt: Mo., 16.4.2018 | 19:00 Uhr, Pfarrsaal, Marktplatz 9

Königsberg: Di., 17.4.2018 | 19:00 Uhr, Herrenschänke Café Eiring

Zeil und Sand: Mi., 18.4.2018 | 19:00 Uhr, Brauereigaststätte Göller

Knetzgau: Do., 19.4.2018 | 19:00 Uhr, Gasthof Drei Linden

Königsberg: Sa., 21.4.2018 | 9:30 bis 12:00 Uhr, Marktplatz,
Abschlussveranstaltung

Ebelsbach/Eltmann: Sa., 21.4.2018 | 19:00 Uhr, Gasthaus Mainterrasse


Gründe für die Wiederherstellung der selbstständigen Sparkasse

Die Gründe für die Rückabwicklung der Sparkassenfusion Ostunterfranken-Schweinfurt hat Dr. Gottwald in dieser Übersicht auf der Webseite openPetition.de zusammengetragen.
(ibg, 12.4.2018)

∗∗∗
RATGEBER • Wissenswertes zu Bürgeranträgen

Bürgeranträge

Schild-Bgm
Symbolbild: ibg

Geht es um kommunalpolitische Angelegenheiten, haben Bürgerinnen und Bürger verschiedene Mitwirkungsmöglichkeiten. Das Mitberatungs- oder Erörterungsrecht sowie das Empfehlungsrecht bei Bürgerversammlungen hatten wir hier bei Im-Baunachgrund.de schon vorgestellt.

Seit 1999 gibt es in Bayern auch die Möglichkeit, einen sogenannten Bürgerantrag zu stellen. Die Rechtsgrundlagen dazu finden sich in Artikel 18b der Bayerischen Gemeindeordnung beziehungsweise Artikel 12b der Bayerischen Landkreisordnung.

Mit einem Bürgerantrag können die Bürger einer Stadt oder Gemeinde (Gemeindeordnung) oder die Bürger eines Kreises (Landkreisordnung) einen Antrag stellen, dass sich das entsprechende Gemeindeorgan (Gemeinde- oder Stadtrat, Ausschuss, erster Bürgermeister oder Kreisorgan) mit einer bestimmten Angelegenheit befassen muss.

Jedoch darf es sich um keine Angelegenheit handeln, für die innerhalb eines Jahres schon einmal ein Bürgerantrag gestellt worden ist.

Der Bürgerantrag muss von mindestens ein Prozent der Gemeindeeinwohner/innen unterschrieben sein und mit Begründung bei der Gemeinde eingereicht werden. Außerdem müssen (höchstens drei) Ansprechpartner genannt werden.

Wird der Bürgerantrag als zulässig erklärt (darüber muss innerhalb eines Monats entschieden werden), dann muss das angesprochene Gemeindeorgan den Bürgerantrag innerhalb von drei Monaten behandeln.

Wie bei Empfehlungen aus einer Bürgerversammlung ist das betreffende Kommunalorgan aber nicht verpflichtet, eine Entscheidung zu treffen.

Nähere Informationen zum Bürgerantrag finden Sie auf der Webseite des BayernPortals.

Beispiel für einen Bürgerantrag

Ein schönes Beispiel für einen Bürgerantrag zeigt die Homepage der Bürgerinitiative „Bürger für ein l(i)ebenswertes Schierling (BFLS)“ im Landkreis Regensburg. Die Schierlinger Bürgerinitiative hatte beantragt, dass die Tagesordnungen der Gemeinderatssitzungen mit Protokollen des öffentlichen Sitzungsteils auf der Internetseite der Gemeinde Schierling bereitgestellt werden.
(ibg, 12.4.2018)

∗∗∗
RATGEBER • Wissenswertes für Bürgerversammlungen

Bürgerversammlungen

Fernseher-Smbl
Symbolbild: ibg

Hätten Sie’s gewusst? – Teilnehmer/innen einer Bürgerversammlung können mehrheitlich Empfehlungen an den Stadtrat oder Gemeinderat beschließen.

Wenn Ihre Stadt oder Gemeinde zur Bürgerversammlung einlädt, dann steht vermutlich auf der Tagesordnung, dass der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin über wichtige Entscheidungen im Rat berichten will und über bestimmte Anliegen sprechen möchte. Eine reine Info-Veranstaltung? – Nein, das eben nicht.

Es geht um mehr, nämlich um Bürgerbeteiligung. Neben der Möglichkeit, die Gemeindebürger zu informieren, können gemeindliche Angelegenheiten erörtert und – man staunt! – Empfehlungen an den Gemeinde- oder Stadtrat verabschiedet werden. Richtig, die Bürgerinnen und Bürger haben grundsätzlich auf einer Bürgerversammlung die Möglichkeit abzustimmen.

Erörtern bedeutet, das Für und Wider von allen Seiten zu beleuchten. Doch der Reihe nach:


Wie oft findet eine Bürgerversammlung statt?

Mindestens einmal im Jahr. Mehr Versammlungen kann der Gemeinderat beantragen. Wenn mindestens 5 Prozent der Bürger/innen eine Bürgerversammlung (mit Tagesordnung) beantragen, dann muss ebenfalls eine Bürgerversammlung einberufen werden. So ein Antrag ist aber nur einmal im Jahr möglich.


Wer darf an der Bürgerversammlung teilnehmen?

Gemeindebürgerinnen und -bürger, nur sie dürfen sich dort auch zu Wort melden. Die Teilnehmer der Bürgerversammlung können aber beschließen, dass auch Nicht-Gemeindebürger sprechen dürfen. Ansonsten haben Nicht-Gemeindebürger ein Zutrittsrecht, das heißt, sie dürfen anwesend sein.


Wer leitet die Bürgerversammlung?

Der Bürgermeister oder ein Stellvertreter ruft die Tagesordnungspunkte auf und erteilt das Wort. Die Versammlungsleitung muss für eine sachgerechte Erörterung sorgen und passt auf, dass die Themen nicht abschweifen. Bei Anträgen leistet sie Formulierungshilfe, muss sich aber unparteiisch verhalten. Weitere Aufgaben: Abstimmung leiten, Abstimmungsergebnis feststellen und die Versammlung offiziell beschließen.


Welche Rechte haben die Teilnehmer/innen der Bürgerversammlung?

Das Mitberatungsrecht der Bürgerinnen und Bürger, also die Bürgerversammlung, ist in Art. 18 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern (GO) geregelt.

Die Bürgerversammlung hat zwar keine Mitbestimmungsrechte, aber Mitwirkungsrechte, nämlich ein Mitberatungs- oder Erörterungsrecht sowie ein Empfehlungsrecht.

Zum Mitberatungs- oder Erörterungsrecht der Gemeindebürger/innen gehören das Anwesenheitsrecht, das Rederecht und ein Antrags- und Stimmrecht.

Das Empfehlungsrecht bedeutet, dass die Bürgerversammlung nach einer Abstimmung (Mehrheit entscheidet) dem Gemeinde- oder Stadtrat Empfehlungen geben darf.

Solche Empfehlungen müssen innerhalb von drei Monaten vom Gemeinde- oder Stadtrat behandelt werden.


Worüber kann auf einer Bürgerversammlung beraten werden?

Thema einer Beratung oder Empfehlung kann nur eine gemeindliche oder städtische Angelegenheit sein. Eine gemeindliche Angelegenheit im erweiterten Sinn kann aber auch dann vorliegen, wenn eine (z.B.: Kreis-)Angelegenheit unmittelbar Auswirkungen auf die Gemeinde oder die Stadt hat.


Zu guter Letzt:

Bürgerversammlungen können auch für Ortsteile beantragt werden, die zum 18.1.1952 noch selbstständige Gemeinden waren.

Die ideale Teilnehmerzahl einer Bürgerversammlung beträgt zwischen 20 und 30 Personen. Bei derartigen Gruppengrößen kann man einerseits davon ausgehen, dass genügend Bürger anwesend sind, die die Interessen der Bürger artikulieren, und andererseits verbleibt ausreichend Raum, damit jeder zu Wort kommen kann.Die ideale Teilnehmerzahl einer Bürgerversammlung beträgt zwischen 20 und 30 Personen. Bei derartigen Gruppengrößen kann man einerseits davon ausgehen, dass genügend Bürger anwesend sind, die die Interessen der Bürger artikulieren, und andererseits verbleibt ausreichend Raum, damit jeder zu Wort kommen kann.Die ideale Teilnehmerzahl einer Bürgerversammlung beträgt zwischen 20 und 30 Personen. Bei derartigen Gruppengrößen kann man einerseits davon ausgehen, dass genügend Bürger anwesend sind, die die Interessen der Bürger artikulieren, und andererseits verbleibt ausreichend Raum, damit jeder zu Wort kommen kann.Eine gute Bürgerversammlung ist ergebnisoffen angelegt, sollte nicht länger als vier Stunden dauern und die Ergebnisse der Versammlung sollen in einem Protokoll veröffentlicht werden. Damit jeder zu Wort kommen kann, liegt die ideale Teilnehmerzahl zwischen 20 und 30, eine Begrenzung der Teilnehmerzahl darf es aber nicht geben.
(ibg, 2.4.2018)

∗∗∗
HEIMATKUNDE • Große Volksversammlung vor 169 Jahren

Ostern 1849 in Ebern

2012 07 21 016 Hambacher Schloss Ostseite
Bild (unverändert): „2012 07 21 016 Hambacher Schloss Ostseite“, Friedrich Haag,
Lizenz: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


Den meisten wird das Hambacher Fest (1832) aus dem Geschichtsunterricht noch ein Begriff sein. Das Fest fand auf dem Hambacher Schloss in der Rheinpfalz statt, zu jener Zeit noch Bayern zugehörig. Mit dem Hambach zwischen Ebern und Untermerzbach hatte das freilich nichts zu tun.

Damals forderten die Festteilnehmer die nationale Einheit, Presse-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit, die Gleichberechtigung der Frauen und Volkssouveränität. Die Veranstaltung gilt als eines der bedeutendsten Ereignisse der deutschen Demokratiegeschichte.

Die weitere geschichtliche Entwicklung (Absolutismus, Armut, Ständegesellschaft) führte schließlich zur Revolution 1848/49.

Ostern 1849 große Volksversammlung in Ebern

Auch in Ebern rumorte es. So leitete der 19-jährige Ernst Schmidt, Sohn des Apothekers, zu Ostern 1849 eine Volksversammlung in Ebern mit mehreren tausend Teilnehmern. Die Neue Fränkische Zeitung aus Würzburg nannte in ihrer Ausgabe vom 5. April 1849 sogar die Zahl von 7.000 bis 8.000 Zuhörern in Ebern.

Worüber gesprochen wurde, ist in Axel W.-O. Schmidts Buch „Der rothe Doktor von Chicago“ zu lesen. König Maximilian II. wurde kritisiert, Polizeiwillkür angeprangert, Bürokratie beanstandet, Schuldige für Missstände wurden ausgemacht und den Versammelten die Grundrechte erklärt. Kurz: Die Redner reizten die königliche Regierung gehörig und hielten Plädoyers für die Demokratie. Übrigens: In Ebern lief alles friedlich ab.

Heute ist die Realschule Ebern nach Ernst Schmidt benannt, der später seine Heimat verlassen hatte und als Arzt in Chicago arbeitete. 
(ibg, 29.3.2018)

∗∗∗
DENKMALSCHUTZ • Sanierung der Burgruine Raueneck am Haubeberg

Raueneck – Juwel im Altlandkreis

Ruine-Rauheneck-270216-2278378
Bild (unverändert): „Ruine-Rauheneck-270216-2278378“, ermell, Lizenz: CC BY-SA 4.0,
via Wikimedia Commons


Große Erwartungen, was die kommende Sanierung der Burgruine Raueneck (bei Vorbach) angeht, hegt das Internetportal „rottenplaces.de“, ein Webmagazin „rund um verfallene Bauwerke, Denkmalschutz und Industriekultur“.

Nach einem Bericht bei infranken.de sollen insgesamt 550.000 Euro in die Hand genommen werden, damit die Ruine erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Die finanziellen Mittel fließen aus verschiedenen Töpfen, u.a. dem Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern, dem Landkreis und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Darüber berichtete zuletzt auch die Bayerische Staatszeitung.

Beim Betrachten des Bildes stellt sich die Frage: Wenn man eine massive Burg aus Stein 300 Jahre sich selbst überlässt, kann dann so wenig Mauerwerk stehenbleiben wie hier bei der Raueneck? Gleiches gilt auch für die anderen Burgruinen im Altkreis Ebern und anderswo. Zu vermuten wäre, dass die Gemäuer intensiv als Steinbruch genutzt wurden.


Geschichte

  • 1180: Vermutlich von vertriebenen Rittern der zerstörten Burg Bramberg errichtet

  • 1250: Das Geschlecht der von Ruheneck stirbt aus, Raueneck fällt als Lehen zurück ans Hochstift Würzburg

  • 1720: Die Burg wird verlassen, der würzburgische Amtssitz kommt nach Ebern

  • 1745: Die Burgkapelle wird nicht mehr genutzt und verfällt wie die gesamte Burg

(ibg, 16.3.2018)

∗∗∗
ARCHITEKTUR • Eberns radikaler Wandel im Städtebau

Immer Abriss statt Sanierung?

Ebern-Collage
Abgebildet: Ebern, Collage

Am 13.9.2015 beschäftigte sich der Deutschlandfunk mit dem Thema:
„Ungeliebte 50er-Jahre – Deutscher Denkmalschutz hadert mit der Nachkriegsmoderne“.

In der Einleitung des Beitrags war zu lesen:

Die Bauten der 50er-Jahre in ihrer betonten Nüchternheit galten einst als Symbole eines demokratischen, prunklosen Nachkriegsdeutschlands, heute sind sie immer wieder von Zerstörung bedroht. Überall gibt es fertige Abrisspläne, deren Umsetzung bisher nur durch heftige öffentliche Kontroversen verhindert wurde.

Verglichen mit der aktuellen Situation in Ebern im Jahre 2018 muten diese Worte aus dem Jahr 2015 geradezu gespenstisch an. So als hätte der Deutschlandfunk das Orakel von Delphi nach der städtebaulichen Zukunft von Ebern befragt.

Aber nicht Pythia, die weissagende Priesterin mit verändertem Bewusstseinszustand prophezeite den mutmaßlich bevorstehenden radikalen Stadtumbau mit der Abrissbirne, sondern die Meldungen tröpfelten nach und nach über die örtliche Zeitungslandschaft ins öffentliche Bewusstsein. Von verschiedenen Seiten geschickt relativiert, eine bessere Lösung sei – nach Kanzlerinnenart – nicht zu sehen.

Abrissliste

Auf der aktuellen Abrissliste stehen: das Gymnasium mit Wohnhaus des Hausmeisters und das Gebäude der ehemaligen Kreisberufsschule (Baujahr 1954) samt Werkstätten.

Sollte sich die Landesbaudirektion für einen Neubau im Areal Gasthof Post/Filmburg (Delta-Markt) entscheiden, wie es die Neue Presse am 8.3.2018 angedeutet hatte, dann würden vielleicht auch noch der historische Gasthof und die alte Filmburg (60er-Jahre) zu Bauschutt zerkleinert werden.

Schon weg

In den vergangenen paar Jahren gingen schon verlustig: das Burglichtspiele-Kino (abgebrannt), der Bahnhof im Erscheinungsbild der 60er-Jahre (Abriss), der BayWa-Silo im Hochhaus-Stil (Abriss), das alte Hallenbad aus den 70er-Jahren (Abriss), die 1933 erbaute Kujath-Villa am Anlagenring (Abriss) und das Wohnheim der Meisterschule (ehemaliges Nebengebäude der alten Landwirtschaftsschule mit Landwirtschaftsamt, Abriss).

Nicht alles konnte bewahrt werden

Der tristen Architektur des alten Hallenbades mit dem später aufgesetzten Walmdach hat wahrscheinlich kaum einer nachgetrauert. Das Kujath-Haus: geschenkt. Trotzdem, so viele Häuser aus den 30er-Jahren hat Ebern nicht zu bieten.

Mit seiner verschachtelten Etagen-Anordnung ist sicherlich auch das Gymnasium aus den 70ern grundsätzlich ein erhaltenswertes Gebäude. Aber angesichts von Brandschutz-Vorschriften und der Tatsache, dass der laufende Unterrichtsbetrieb beibehalten werden muss, scheint es nachvollziehbar, dass Abriss und Neubau an leicht versetzter Stelle einen gangbaren Weg bilden.

Der Teilabriss an der alten Landwirtschaftsschule mit dem Ersatzneubau aus Holz steht aus architektonisch-ästhetischer Sicht eher auf wackeligen Füßen, bedeutet er doch voraussichtlich einen krassen Stilbruch.

Faßoli-Haus gerade noch erhalten

Ältere Bürger erinnern sich vielleicht noch daran: Um ein Haar wäre auch das damals lidschäftige Faßoli-Haus abgebrochen worden. Die einzige Stadt-Villa ihrer Art in Ebern. In den 80er-Jahren hätte nämlich eine sogenannte „Panzer-Straße“ über das Anwesen zur Kaserne führen sollen.

Zudem schlug Jugendstil-Häusern in den 80er-Jahren etwa so wenig Wertschätzung entgegen wie heute Bauten aus den 50er-Jahren.

Dass damals über das Faßoli-Haus öffentlich diskutiert worden war, mag geholfen haben, dass die Stadt von den Abbruch-Absichten wieder abgerückt ist. Glücklicherweise wurde die „Verteilerspange“ später anders, über das Gelände der ehemaligen Gärtnerei am Rückgraben geführt.

Wie es zum unnötigen Plan kam, die Berufsschule abzureißen

Warum die Kreisberufsschule geschleift werden soll, ist gar nicht nachvollziehbar. Das Gebäude soll sogar über einen Aufzug verfügen und wirkt gut erhalten, wenn auch nicht auf modernstem Stand.

Das Problem scheint eher im fehlenden Nutzungskonzept zu liegen. Seit dem Abzug der letzten Metallklasse findet nämlich in Ebern kein Berufsschulunterricht mehr statt. Zwar haben sich verschiedene Institutionen eingemietet. Aber unterm Strich dürfte dem Landkreis als Eigner der Unterhalt zu teuer kommen.

Geht man nach dem Artikel „Raum für Eberns Zukunftspläne“ in der Neuen Presse vom 2.3.2018, dann könnte sich das Zustandekommen der Abrissabsichten so erklären:

Ursprünglich wollte die Stadt vom Landkreis nur einen Bauplatz für eine neue Kindertagesstätte kaufen. Landrat Wilhelm Schneider (CSU) witterte die Chance, nicht nur einen Teil, sondern das ganze 13.000 Quadratmeter große Schulgelände, das dem Landkreis gehört, loszuwerden.

Damit die Stadt das Grundstück auch wirklich kaufte, versprach der Landkreis, das Schulhaus einzureißen. Somit habe Ebern neue Flächen zur sogenannten „Innentwicklung“, sprich ein (voll erschlossenes) Neubaugebiet, gewonnen.

Das Schicksal hatte seinen Lauf genommen. Ob es noch zu stoppen ist? Wie hieß es doch gleich beim Deutschlandfunk: „… Abrisspläne, deren Umsetzung bisher nur durch heftige öffentliche Kontroversen verhindert wurde“. Und das Faßoli-Haus lehrt uns, dass schon verloren Geglaubtes doch erhalten werden kann. Man es muss halt wollen.
(ibg, 11.3.2018)

∗∗∗
EBERN • Mini-Max-Prinzip? – Platz für private Bauträger

Kreis will Berufsschule abreißen

Ebern-Berufsschule-1954
Abgebildet: Ebern, ehemalige Berufsschule

Wie infranken.de und Neue Presse am 2.3.2018 meldeten, soll das Gebäude der ehemaligen Berufsschule in Ebern abgerissen werden. Die Stadt plane, das Grundstück neu zu bebauen. Laut Zeitungen sollen ein Kindergarten mit Kinderkrippe und barrierefreie Wohnungen entstehen, erstellt von (einem?) privaten Bauträger(n).

Laut Amtlichem Mitteilungsblatt vom 4.5.2018 (Seite 5) hat die Stadt Ebern schon einen Betrag in Höhe von 260.000 Euro in den Haushaltsplan 2018 eingestellt. Die Summe ist für den Kauf des Grundstücks vorgesehen, auf dem die neue Kinderbetreuungseinrichtung vorgesehen ist. Aus dem Mitteilungsblatt geht nicht eindeutig hervor, ob es sich dabei um das gesamte Berufsschul-Areal oder nur um eine Teilfläche handelt.

Städtebauliches Ensemble

Die alte Berufsschule stellt das architektonische Pendant zur ehemaligen Landwirtschaftsschule (heute Schreinermeisterschule) dar. Beide Schulgebäude bilden gewissermaßen ein städtebauliches Ensemble, das richtungsweisend für den späteren Siedlungsbau war.

Eigentlich sind beide Schulen auch Denkmäler, die an den wirtschaftlichen und städtebaulichen Aufbruch in den 50er-Jahren und Eberns Zeit als Kreisstadt erinnern.

Das Mini-Max-Prinzip erklärt das Wirtschaftswiki der FH Aachen.
(ibg, 2.3.2018, aktualisiert 23.6.2018)

∗∗∗
BIENEN-AUSSTELLUNG • Im Sommer 2019 in Ebern zu sehen

Vorschau – Heimatmuseum

Heimatmuseum-Ebern
Abgebildet: Heimatmuseum Ebern

Im Sommer 2019 wird eine Ausstellung über Honigbienen im Heimatmuseum Ebern zu sehen sein. Das ist einem Facebook-Post der Museologie an der Universität Würzburg zu entnehmen.

Das Ausstellungsprojekt haben Studenten/-innen der Uni Würzburg in Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum Ebern erarbeitet, kann aber bereits im Zeitraum vom 12. April bis zum 7. Oktober 2018 im „Lab 13“ im Rahmen der Landesgartenschau Würzburg angeschaut werden.

„Lab 13“ ist ein Gebäude auf dem Gelände der Landesgartenschau Würzburg.
(ibg, 1.3.2018)

Video-Link

Youtube:  Video – „Summ Summ Summ Bienchen Summ Herum“

∗∗∗
HEIMATKUNDE • In Vergessenheit geraten

Die Krankenhaus-Vorgänger

Linsenviertel2
Symbolbild: Armenhaus Eppingen, „Linsenviertel2“, Wolljuergen, gemeinfrei,
via Wikimedia Commons


Das war nicht mehr im öffentlichen Bewusstsein der Stadt: Bevor das Eberner Krankenhaus 1912 fertig geworden ist, hatte es bereits eine Vorgängereinrichtung im Bezirk gegeben.

Dabei handelte es sich weder um das Spital noch das alte Siechen- und Armenhaus in Ebern, das laut Georg Ludwig Lehnes „weit oberhalb der Stadt und rechts am Wege nach Eiringshofen auf dem (…) Siechenanger“ gelegen war. 1582 soll es noch gestanden haben und vermutlich im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) niedergebrannt worden sein.

Kreis-Amtsblatt von 1877

„Im-Baunachgrund.de“ hat ein Dokument aus dem Jahr 1877 entdeckt, das uns einen Einblick ins heimatliche Krankenhauswesen zum Ende des 19. Jahrhunderts gewährt. Dabei handelt es sich um das „Königlich-Bayerische Kreis-Amtsblatt von Unterfranken und Aschaffenburg“ aus dem Jahr 1877.

So veröffentlichte die königliche Kreisregierung in Würzburg anfangs noch jährlich eine Übersicht der Krankenanstalten im Kreis (heute Regierungsbezirk). Ab 1877 begnügte man sich damit, die Übersicht nur noch alle drei Jahre neu aufzustellen.

Aus der regelmäßigen Zusammenstellung der damaligen Anstalten für Krankenpflege sollte u.a. deutlich werden, „mit welchem Erfolge mehrere Distrikte ihre Anstrengungen fortgesetzt haben, die erforderlichen Mittel zur Herstellung ordentlicher Krankenanstalten anzusammeln.

1876: Für neue Krankenhäuser in Ebern und Baunach angespart

Folgt man den Ausführungen des „Königlich Bayerischen Kreis-Amtsblattes“, dann waren im Jahr 1876 im Distrikt Ebern schon 8.614 Mark und im Distrikt Baunach 1.269 Mark für den Bau von Distriktskrankenhäusern angespart worden (S. 1173, 1174).

„Lokalkrankenanstalt Baunach“

Nicht nur das, im Bereich des Bezirksamtes Ebern, das aus den Distrikten Ebern und Baunach bestand, hatte es einen Vorläufer für das schließlich 1912 fertiggestellte Distriktskrankenhaus in Ebern gegeben. Das Kreis-Amtsblatt nennt die „Lokalkrankenanstalt Baunach“, im Eigentum der Gemeinde und mit drei „gut eingerichteten Krankenzimmern“ (S. 1171, 1172).

Wörtlich heißt es im Kreis-Amtsblatt: „Außer der lokalen Krankenanstalt im Armenhause zu Baunach besteht im Amtsbezirke Ebern noch keine Anstalt für Krankenpflege; die Distrikte Baunach und Ebern haben indeß die mit einem * bezeichneten Summen behufs seinerzeitiger Errichtung von Distriktskrankenhäusern angesammelt.

Symbol-Flur
Symbolbild: ibg

Das Krankenhauswesen in Hofheim war noch viel älter als berichtet

Eine weitere Überraschung: Die Krankenhausgeschichte in Hofheim i.UFr. ist viel älter als gemeinhin bekannt geworden war. In der Übersicht des Kreis-Amtsblattes von 1877 wurde nämlich ein Krankenhaus „im Eigenthum d. Stadt Hofheim“ aufgelistet, „errichtet 1856“. Es war ausgestattet mit „sieben Krankenzimmern und drei Zimmern, welche von drei barmherzigen Schwestern, die die Krankenpflege besorgen, bewohnt werden.“

Anlässlich der Schließung des Hofheimer Krankenhauses im Jahre 2017 berichteten heimische Zeitungen aber nur, dass das Hofheimer Krankenhaus 1895 als Distriktskrankenhaus erbaut worden war. Es hatte jedoch diesen Vorläufer gegeben.

Auch in Haßfurt gab es ein altes Krankenhaus

Sogar in Haßfurt hat es dem Kreis-Amtsblatt zufolge ein Hospital gegeben, und zwar das „Gesellen- und Dienstbotenspital der Stadt Haßfurt, errichtet 1849“. Es verfügte über sieben Zimmer für Kranke mit acht Betten, zwei Zimmer mit zwei Betten für Patienten mit ansteckenden Krankheiten und zwei Zimmer für „barmherzige Schwestern – die den Wärter- und Haushaltungsdienst“ versahen.
(ibg, 21.2.2018)

∗∗∗
REUTERSBRUNN • Baum- und Gartenpflege ist Vertrauenssache

Plötzlich war die Hecke weg

Böschungsmäher II
Symbolbild (unverändert): „Böschungsmäher II“, Alupus, Lizenz: CC BY-SA 3.0,
via Wikimedia Commons


Leserbild-Heckenschnitt
Zugesandtes Leserbild: Reutersbrunn, „Ergebnis des Heckenschnitts“

Reutersbrunn, ein idyllisches Dorf mit gepflegten Grünflächen und bei Ebern gelegen. Die Einwohner wollten es schön haben, beteiligten sich an der Dorferneuerung, pflanzten Bäumchen, erfreuten sich an wohlgeschnittenen Hecken. Die Pflegearbeiten teilte man sich in der Dorfgemeinschaft untereinander auf.

Eines Tages, Beobachter sprechen vom 7. Februar 2018, ratterte plötzlich eine große Maschine durch den Ort. Ratatazong, ratatazong! Weg war zwar nicht der Balkon, aber dort, wo anscheinend einmal eine Hecke gewesen war und vor zehn oder zwölf Jahren Bäumchen angepflanzt worden waren, sieht es nun ziemlich „geschert“ aus.

So ähnlich wie mit der Frisur: Der Versuch, sich selber die Haare zu schneiden, kann schon mal in einem optischen Desaster enden.

Mancher Beobachter, so ist es Im-Baunachgrund.de zugetragen worden, kann sich mit der Art und Weise dieser „Bescherung“ überhaupt nicht anfreunden, zumal diese auch noch ziemlich unvermittelt stattgefunden habe.

Für die Zukunft wünsche man sich daher „Chefbehandlung“, wenn man es durch die Blume sagen möchte. Schließlich lautet nicht umsonst ein Werbespruch im Gartenbau: „Baum- und Gartenpflege ist Vertrauenssache!
(ibg, 13.2.2018)

∗∗∗
PIKTOGRAMME • Manchmal sagen Worte mehr

Informationen ohne Worte

Pikto-Ebern-Schule
Grafik: ibg

Pikto-Schrift-Meister
Grafik: ibg

In Ebern würde man gern mehr auf die örtlichen Schulen aufmerksam machen, und zwar per Hinweisschild. Egal, ob per Text oder Bild. Aber der Amtsschimmel hat dazu seine eigene Meinung: Er wiehert.

Grundsätzlich kämen zwei Möglichkeiten für die Schilderei in Frage: Schrift oder Piktogramme. Jetzt meinen die einen so, die anderen so.

Zwar stimmt es: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Diese Metapher bzw. dieses Sprichwort drückt aus, dass ein bestimmter Sachverhalt mit einem Bild oft einfacher als mit Text erklärt werden kann. Nur: Immer trifft das auch nicht zu.

Piktogramme werden verwendet, um Informationen ohne Worte transportieren zu können. Viele dieser stilisierten Darstellungen funktionieren international und in der Regel ohne Buchstaben. Damit liegt der wesentliche Vorteil auf der Hand: Die Kommunikation kann sprach- und kulturneutral erfolgen. Kein Wunder, dass daher Piktogramme gerne in Sportstätten, auf Messen, in Bahnhöfen und auf Flughäfen eingesetzt werden.

Aber machen diese platzsparenden Bildchen auch woanders Sinn? Als Gefahrensymbole und beim Brandschutz ganz sicher, denn in diesen Bereichen kommt es darauf an, dass sie von möglichst vielen, besser noch von allen Beteiligten, unabhängig von individuellen Sprachkenntnissen, verstanden werden können. Auch an Eindeutigkeit mangelt es meistens kaum: Ein Feuerlöscher ist ein Feuerlöscher ist ein Feuerlöscher.

Und was taugen Piktogramme als Wegweiser im Straßenverkehr? Da kommt es darauf an, was und wie uns ein Piktogramm etwas mitteilen will. Denn anders als ein Passagier im Bahnhof kann der Autofahrer im Zweifelsfall ein Piktogramm nicht längere Zeit studieren, um sich die Bedeutung zu erschließen.

Sobald ein Piktogramm wahrgenommen wird, müssen Sinn und Inhalt gleichzeitig mit transportiert werden. Das mag ganz gut beim Krankenhaus-Piktogramm gelingen, ein schwarzes Häuschen mit einem roten Kreuz darinnen. Bei den Piktogrammen für Tankstellen kann es schon vertrackter werden, etwa wenn die Buchstaben LPG (Zeichen 365-53, StVO: Autogastankstelle), wahlweise CNG (Zeichen 365-54, StVO: Erdgastankstelle) dazukommen.

Oder was soll ein großes M in einem stilisierten Häuschen bedeuten (touristische Beschilderung für Museen). Für Schulen fehlen amtliche Sinnbilder ganz und gar, nur für den nichtamtlichen Gebrauch kursieren unterschiedlichste Formen. Was dann buchstäblich nicht mehr darstellbar ist, das dürften verschiedene Piktogramme für die unterschiedlichen Schulformen sein: Ein Piktogramm fürs Gymnasium, eins für die Realschule, eins für die Musikschule usw. Dann ist doch der Text klar im Vorteil.
(ibg, 12.2.2018)

∗∗∗
COOL • Klasse 6b am FRG gewinnt Pausenkonzert von Radio Bamberg
Video-Link

Konzert gewonnen!

Rise Up! And Dance Premierenfeier Wien 01 Disko-Kugeln
Symbolbild: „Rise Up! And Dance Premierenfeier Wien 01 Disko-Kugeln“,
Manfred Werner - Tsui, Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


Das sind gute Nachrichten: Die Klasse 6b am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern hat ein Pausenkonzert von Radio Bamberg gewonnen! Damit ist die 6b die coolste Klasse der Region 2018!

Am Mittwoch, 7.2.2018, tritt die Hip-Hop-Band „Bambägga“ mit DJ Startklar am Gymnasium in Ebern auf, gesponsert vom Radio-Bamberg-Team.

Die beiden Radio-Moderatoren, Jörg Wagner und Fabian Hollet, waren am Montag, 5.2.2018, in der Schule und haben die Klasse mit der Nachricht vom Konzert-Gewinn überrascht.
(ibg, 6.2.2018)

Video-Link

Radio Bamberg:  Video – „Coolste Klasse“

Video-Link

Youtube:  Video – „Bambägga Brotlose Kunst“

∗∗∗
ÖL INS DEBATTEN-FEUER? • In Ebern sollen die Friedhofsgebühren steigen

Soll Sterben 1.200 € teurer werden?

Symbolbild-Ruine
Symbolbild: ibg

Zwischen den Zeilen, aber dennoch unmissverständlich werden im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern (26.1.2018, PDF-Download) deutlich höhere Bestattungsgebühren angekündigt:

… dass die Gebühreneinnahmen (z.B. für Grabplätze) und die Bestattungskosten die Gesamtaufwendungen für die derzeit 15 bestehenden kommunalen Friedhöfe vollständig decken müssen.

Im Jahr 2016 ergab sich im Bereich Friedhofswesen im Haushalt der Stadt Ebern ein Defizit von 88.500 Euro (Einnahmen: 90.000 Euro; Ausgaben: 178.500 Euro).

Für das Jahr 2017 wird die Stadt Ebern rund 113.000 Euro in die Hand nehmen müssen.

‚Hier ist eine Anpassung und eine Erhöhung der Gebühren gefordert, um zukünftig kostendeckend zu arbeiten‘, erklärt Bürgermeister Jürgen Hennemann.

‚Im Jahr 2017 hatten wir in der Stadt Ebern insgesamt 93 Bestattungen. Davon waren 60 Urnen- und 33 Erdbestattungen‘, berichtet Bürgermeister Hennemann aus der Friedhofsstatistik.

Legt man die Daten aus dem Jahr 2017 sowie die beabsichtigte Kostendeckung zugrunde, dann würde das für die Zukunft eine durchschnittliche Erhöhung der Bestattungskosten um 1.215,05 Euro bedeuten (113.000 Euro geteilt durch 93 Bestattungen = 1.215,05 Euro pro Bestattungsfall).

Zwar ist noch gar nichts beschlossen. Aber im Zusammenhang mit der Diskussion um die Frage, ob ein zusätzlicher Naturfriedhof eingerichtet werden soll, dürfte die Debatte eine neue Dynamik gewinnen.

Denn angesichts der ins Gespräch gebrachten Gebührenerhöhung wird die Nachfrage nach einer wohnortnahen, kostengünstigen Bestattungs-Alternative voraussichtlich steigen.
(ibg, 26.1.2018)

∗∗∗
NATURFRIEDHOF • Zeit, eine Meinung zu haben

Immer noch ohne Meinung!?

Ebern-Wald-10
Symbolbild: ibg

Kann man sich des Eindrucks erwehren, dass die Stadt das Thema „Naturfriedhof“ bis zuletzt aussitzen wollte? „Bis zuletzt“ heißt: Bis ein Geschäftsmann die Initiative ergriff und nun selber einen Naturfriedhof aufziehen möchte.

Die seitens von Stadtvertretern (daraufhin?) eilends vorgebrachten Vorschläge, alternative Urnen-Bestattungsmöglichkeiten in den bestehenden Friedhöfen anzubieten, kommen spät und greifen möglicherweise zu kurz. Denn es geht den Bürgern und Bürgerinnen nicht nur um Gräber, die keine gärtnerische Pflege benötigen. Es geht vielen einfach ums Geld. Das hört man immer wieder.

Konkret: Wie viel würde ein Urnengrabplatz im Naturfriedhof im Vergleich zu einem bestehenden Friedhof kosten? – Jeweils ohne teuren Grabstein.

Auf der Webseite Begraebniswald-Ebern.de wird bereits eine „Hausnummer“ genannt: „Urnengrabstellen können zu Preisen ab ca. 550 € erworben werden.“

Die Friedhofs- und Bestattungsgebühren der Stadt sind hier veröffentlicht (Stand 2012, PDF-Download).

Die Schwierigkeit dabei: Vergleiche sind nicht leicht anzustellen, weil sich die Preise aus individuell gebuchten Leistungen zusammensetzen. In der Regel werben aber die Betreiber von Naturfriedhöfen mit geringeren Kosten für die Hinterbliebenen – im Vergleich zu einem herkömmlichen Grab.

Ein paar aussagekräftige, öffentlich durchexerzierte Rechenbeispiele könnten also zu einer fundierten Meinungsbildung beitragen.
(ibg, 24.1.2018)

∗∗∗
LETZTE RUHE • Naturfriedhof Ja oder Nein

Unruhe um die Ruhestätten

Ebern-Kapelle-Hof
Abgebildet: Marienkapelle mit Friedhof, Ebern

Da hat man in Ebern seit Jahren offenbar etwas Wichtiges übersehen. Man hat sich um die Daseinsvorsorge gekümmert und bei der Jenseitsvorsorge den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Nicht generell, aber die Wünsche nach einem „Friedwald“ oder „Ruheforst“ hielt man offensichtlich nicht für besonders dringend.

Nun, so lasen wir in den Zeitungen, seien 1000 Unterschriften für einen Naturfriedhof im Wald, nur für Urnenbestattungen, zusammengekommen. 

Weil heutzutage nichts ohne juristische Stolperschwellen über die Bühne gehen kann, darf so eine Urnenbegräbnisstätte nicht einfach „Friedwald“, „Ruheforst“, „Bestattungswald“ oder „Begräbniswald“ heißen, denn diese Begriffe führt das Deutsche Patent- und Markenamt als eingetragene Markenzeichen.

Gegen den Urnenfriedhof im Wald

Im September 2017 wurde im „Roten Eber“ der Eberner SPD einem zusätzlichen Naturfriedhof wenig Begeisterung entgegengebracht. Stattdessen sollten die vorhandenen städtischen Friedhöfe genutzt werden, hieß es.

Im dortigen Beitrag wurde auch erwähnt, dass Träger eines Friedhofs nur Gemeinden oder Kirchen sein könnten. Tatsächlich heißt es auf der Webseite des Bayerischen Innenministeriums:

„Das bayerische Bestattungsgesetz bestimmt, dass Träger eines Friedhofs eine juristische Person des öffentlichen Rechts sein muss. Deshalb gibt es in Bayern grundsätzlich nur Friedhöfe der Gemeinden, der Kirchen und derjenigen Religionsgemeinschaften, die den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzen.“

Weiter heißt es: „In Bayern ist unter bestimmten Voraussetzungen auch die Einrichtung von Naturfriedhöfen zulässig. Dort sind zum Beispiel Urnenbeisetzungen an der Wurzel von Bäumen in Wäldern möglich. Auch solche Friedhöfe in der freien Natur sind (…) Friedhöfe in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft …“

Doch wer sich im Internet erkundigt, stellt fest, dass es in Bayern auch Naturfriedhöfe gibt, die offensichtlich nicht von Gemeinden oder Kirchen betrieben werden, sondern von z.B. „gräflicher“ Seite. Als sogenannter „Träger“ fungiert dann wiederum eine Gemeinde. Was immer hier auch „Träger“ bedeuten soll. Eine rechtliche Konstruktion, die vielleicht mit einem Fragezeichen versehen sein mag.

Für den Urnenfriedhof im Wald

Am 20. September 2017 meldeten sich dann die Freien Wähler Ebern als Fürsprecher eines Naturfriedhofes per Pressemitteilung (so kommt das in der Zeitung ohne Beigeschmack rüber) zu Wort. Vor allem aber fordern sie eine offene Diskussion mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Man könnte ergänzen: Pietät gehört auf den Friedhof, Diskussionen dagegen sollten lebendig sein, und sich evtl. auch nicht allzu lange hinziehen. Das Thema geistert nun schon gut drei Jahre durch den Blätterwald, siehe infranken.de vom 11. Dezember 2014. Wie hört man gelegentlich in der Stadt: „In Ebern dauert alles immer besonders lange.“

Weiter sind die Überlegungen zu den neuen Bestattungsformen im nahen Königsberg gediehen, wie die Main Post am 28. September 2017 zu berichten wusste.
(ibg, 20.9.2017, aktualisiert 28.9.2017)

∗∗∗
EBERN • Für höhere Übertragungsraten im Internet

High­speed fürs Internet

Eingebetteter Tweet via Twitter

Die Telekom kündigte am 17. Januar 2018 an, dass durch den Ausbau des Glasfasernetzes mehr Tempo im Internet für Ebern, Sandhof und Fierst möglich wird.
(ibg, 17.1.2018)

∗∗∗
BR-VIDEO • Elektronische Schultafel in der Realschule begeistert

„Nicht bei den 7 Zwergen“

Eingebettetes BR-Video, via Facebook (Wer mag, kann den Ton einschalten)

∗∗∗
FLIESSGEWÄSSER • Bach oder Fluss, das ist hier die Frage

Die Baunach: Bach oder Fluss?

Ebern-Muehlbach-Denkmal
Abgebildet: Eberner Mühlbach, Nebenarm der Baunach

Die Baunach ist für die meisten Einheimischen ein Fluss. Gelegentlich trifft man aber auch auf Leute, die die Baunach als Bach bezeichnen. Was stimmt?

Die Suche nach einer Antwort führt zunächst zur Frage, wonach man Fließgewässer unterscheiden soll. Über Abgrenzungskriterien lässt sich trefflich streiten, und dabei wird sich vielleicht ein allseits anerkanntes Ergebnis nicht so schnell finden lassen.

Denn ein Frankfurter oder Kölner mag sich unter einem Fluss den Main oder den Rhein vorstellen. Für den Wüstenbewohner ist möglicherweise schon das ausgetrocknete Bachbett ein Fluss.

Beim Googeln purzeln einem dann allerhand angebliche Merkmale eines Flusses entgegen: Fünf Meter soll er mindestens breit sein, am besten auch schiffbar sein oder die Kronen zweier am Ufer gegenüberstehender Bäume dürften sich nicht berühren usw.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt (via Wasserforscher.de) hatte im Jahr 2012 eine Übersicht zur Klassifizierung von Gewässertypen veröffentlicht. Danach ist ein Bach 50 Zentimeter bis 2 Meter breit, 10 bis 50 Zentimeter tief und fließt bei Niedrigwasser mit 10 bis 100 Litern pro Sekunde ab.

Ein kleiner Fluss (es gibt auch die Kategorie „großer Fluss“) ist zwischen 2 und 10 Metern breit, besitzt eine Wassertiefe von 50 Zentimetern bis zu einem Meter und führt zwischen 100 und 5.000 Liter Wasser pro Sekunde.

Geht man nach den Kriterien des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, dann dürfte es sich bei der Baunach – ohne nun diese selbst vermessen zu haben – um einen kleinen Fluss handeln. Immerhin ist selbige laut Angaben des Umweltamtes (PDF-Download) auch noch 65,48 Kilometer lang.
(ibg, 7.12.2017)

∗∗∗
DOKUMENTARFILM • Einblick in eine Buchbinder-Werkstatt
Video-Link

Von Bamberg nach Salmsdorf

Buchbinderei 8794
Symbolbild (unverändert): „Presse in der Buchbinderei des Stiftes Heiligenkreuz“,
Wikimedia Commons/KarlGruber, Lizenz: CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons


Im Jahr 1955 gründete der Fotograf Hans Tillig den Lichtbildverlag Tillig in Bamberg. Geschäftsgegenstand war u.a. die Herstellung und der Vertrieb von Postkarten.

Um den Nachlass des Unternehmens kümmert sich Sohn Heinz. So ist es bei Nordbayern.de zu lesen.

Der Sohn hat sich die Liebe zur Heimat bis heute bewahrt. Am 13. Dezember 2017 zeigt er im Bamberger Lichtspiel-Kino Ansichten von Bamberg aus den 1950er- bis 1970er-Jahren.

Bei Youtube hat Heinz Tillig etliche kurze Dokumentarfilme über seine Heimat veröffentlicht, die dem Zuschauer einen Blick zurück in die jüngere Geschichte ermöglichen.

Hervorzuheben wäre zum Beispiel eine amüsante Anekdote („Kleider machen Leute“) über das (alte) Bamberger Hallenbad, das damals seiner Zeit architektonisch weit voraus gewesen war.

Der Bogen zum Altkreis Ebern lässt sich nun mit dem Youtube-Video „Buchbindermeister“ spannen, in dem Heinz Tillig eine ehemalige Buchbinderei in der Hauptwachstraße 26 vorstellt. Diese Werkstatt besteht nämlich laut Video in Salmsdorf (Buch-und-Bild.de) fort. 167
(ibg, 24.11.2017)

Video-Link

Youtube:  Video – „Buchbindermeister“

∗∗∗
BLOG • Was der Maro-Express mit fränkischem Dialekt zu tun hat

„Maroggo-Exbress“ zum Dialekt

Bahnuebergang-3 06 2003
Abgebildet: Maro-Express, modern

Der Blogger Hans von Rotenhan beschäftigt sich in seinem Beitrag „Die Russn kumma!“ vom 19.11.2017 mit der alten Bahnlinie nach Maroldsweisach. „Marroggo-Express“ war der alte gebräuchliche Name für die Züge nach Maroldsweisach. Wie nebenbei lässt von Rotenhan in seinen Aufsätzen immer wieder den fränkischen Dialekt einfließen.

Zum Beispiel, wenn sich „Dorett“, die Köchin seines Großvaters, zu Wort meldet: „Hinder Marro wohnd der Russ“, wusste die Köchin seinerzeit bzw. ihrerzeit. Und welchen Zauber verbreitet doch die „Haldewunschdasde“ in den modernen Agilis-Zügen, ohne deren Betätigung der Express in Rentweinsdorf nicht hält.

Womit wir vom Maro-Express zum Dialekt gekommen wären, den es laut Sueddeutsche.de vom 21.11.2017 in 20 Jahren nicht mehr geben würde. Der Artikel bezieht sich zwar in erster Linie auf den bairischen Dialekt, gibt aber die Meinung wieder, dass „Minderheitensprachen“ grundsätzlich langfristig von der Bildfläche verschwänden. Da könnten auch Dialektvereine nichts mehr ausrichten, höchstens dass ein paar Sprachinseln übrig blieben.

Überhaupt haben es Dialektsprecher heutzutage schwer. Erstens werden sie von vielen nicht mehr verstanden, zweitens laufen sie ständig Gefahr, von ihren Zeitgenossen (zu Unrecht) in eine unvorteilhafte Schublade gesteckt zu werden. 

Dann muss man auch einen Blick in die Schulen werfen. So wird bei Sueddeutsche.de beklagt, dass Schulbücher nicht überarbeitet worden seien und Dialekt-Handreichungen für Lehrer offenbar auf kein Interesse stießen.

Apropos Schulen, neulich kam unsere Tochter von der Schule heim und sagte: „Ich esse kein Fleisch mehr. Wir haben da einen Film gesehen.“ Aha, dachte ich. Rufst gleich mal in der Schule an. Aber es war schon Freitagnachmittag. Also, lassen wir es gut sein, und es hat sowieso Fisch gegeben.
(ibg, 22.11.2017)

∗∗∗
ILLUSION • Zerplatzte Thermalbadträume

Aus für die Thermalquellen

Illustration-Halle
Bild: Fotomontage

Nebel lag über dem Itzgrund. Ein Spaziergänger, der seinen Hund in den Auen Gassi führte, hörte aus dem nahegelegenen Wäldchen ein Zischen. Der Hund schlug an und bellte gegen die Nebelwand vor dem Wald. Es hörte sich an, als ob Luft aus einem Reifen entwich. Dann wurde plötzlich alles furchtbar nass. Eine Wasserfontäne schoss fauchend hinter den Büschen am Waldesrand empor, mehrere Meter hoch.

Fest steht: So ist es nicht gewesen. Die Thermalquellen bei Mürsbach und Gleusdorf wurden zwar auch zufällig, aber anders gefunden. Weil man Anfang der 1970er-Jahre nach irgend etwas gebohrt hatte, weit mehr als 1.000 Meter tief. Man munkelte, man hätte Erdöl gesucht. Speichermöglichkeiten für Erdgas, hieß es in der Zeitung. Gefunden hatte man Thermalwasser. Die Fachwelt berichtete sogar von der „geothermischen Anomalie Mürsbach“. Das soll heißen, dass die Wassertemperatur in 1.000 Meter Tiefe etwa 54 Grad Celsius beträgt, deutlich höher als zu erwarten gewesen wäre (vgl. Energie-innovativ.de).

Mit diesem Fund hätte dem Altkreis die große Stunde schlagen können. Pläne für ein kleines Thermalbad im Itzgrund wurden entwickelt. Im Baunachgrund überlegten sich Bürger/innen, ob das Heilwasser über eine Pipeline nach Ebern geleitet werden könnte. Das Thermalbad in Staffelstein war damals noch nicht so groß wie heute. Aber was geschah? Nichts! Nun meldete infranken.de, dass die fünf (!) Bohrlöcher verplombt werden. Auch so kann eine Geschichte enden.
(ibg, 9.11.2017)

∗∗∗
VIDEO • Die Burgruine Rotenhan in der Novembersonne

Herbst auf Rotenhan

Eingebettetes Youtube-Video von Starchild

In der Novembersonne auf der Burgruine Rotenhan schlendern – kann man besser chillen? Das Wort heißt nichts anderes als „sich erholen, entspannen“. Das Video hat der/die Youtube-Benutzer/in „Starchild“ am 5. November 2017 veröffentlicht.
(ibg, 8.11.2017)

∗∗∗
GESCHÄFTSLEBEN • Eberner Traditionsgeschäfte
Video-Link

Haushalts- und Eisenwaren

Ebern-Eisenwaren
Abgebildet: Haushalts- und Eisenwarengeschäft (links) am Marktplatz in Ebern

Ebern-Eisenwaren-02
Abgebildet: Ehemaliges Haushalts- und Eisenwarengeschäft in der Kapellenstraße in Ebern

Haushalts- und Eisenwarenläden, Farben- und Tapetengeschäfte, Saaten-Handlungen, Shops für Angel- und Kleintierbedarf, Baustoffhändler – sie alle bilden die Keimzellen, aus denen die heutigen Baumärkte hervorgegangen sind. 

Zwei Haushalts- und Eisenwarengeschäfte kennen noch viele in Ebern: Finzel am Marktplatz und Mangold in der Kapellenstraße. Rund ums Haus gibt bzw. gab es allerlei nützliche Dinge zu kaufen, deren Bezeichnungen Laien kaum geläufig sind. Welcher Nicht-Handwerker kennt schon einen Flansch, eine Muffe, eine Nut und eine Zarge? Geschweige denn die geeigneten Werkzeuge?

Das Sortiment ist breit: Gewindestangen, Schrauben, Muttern, Beschläge, Schilder, Seile, Schnüre, Befestigungstechnik, Ketten, Hausnummern, Schlösser, Tortenhauben, Bestecke, Werkzeuge, Besen, Schneeschieber, Schlitten und noch viel mehr. Mangold führte einst sogar Ski.

X-tausend Artikel, die dem Kunden erklärt werden müssen. Denn dem Laien erschließen sich die richtigen Verarbeitungs- und Anwendungsmöglichkeiten auf den ersten Blick oft nicht. Das ist (eigentlich) gut fürs Geschäft, denn die Beratung in solchen Fachgeschäften ist nicht leicht zu ersetzen. Anschauung und Praxis vor Ort kann das Internet gar nicht leisten.

Die Redewendung „Der/die/das ist eine Institution“ drückt aus, dass etwas dem Wohl der Allgemeinheit dient. Eisenwarenläden sind eine Institution. Die Verkäufer/innen dort verkaufen nicht nur, sie lösen Probleme. Leider mussten viele dieser Einzelhändler ihr Geschäft aufgeben. Baumärkte. Es wird etwas dauerhaft fehlen, wenn dereinst der letzte Eisenwarenhändler seine Tür zusperrt.

Die Schauspieler Diether Krebs und Dieter Pfaff hatten mit ihrem Sketch „Im Eisenwarengeschäft“ dem Berufsstand des Eisenwarenhändlers ein unvergessenes, liebevolles Denkmal gesetzt.
(ibg, 25.9.2017)

Video-Link

Youtube:  Video – „Im Eisenwarengeschäft“

∗∗∗
VIDEO • Ebern aus dem Blickwinkel einer Schweinfurterin

Besuch aus Schweinfurt

(40) Eingebettetes Youtube-Video von Sandra-Bernadett Grätsch

∗∗∗
1846 • Warum die Burgpreppacher in Ebern bis heute ein Stein im Brett haben

Burgpreppach eilte zu Hilfe

Burgpreppach Schloß 001
Bild: „Burgpreppach, Schloss“, Tilman2007, Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Burgpreppach, 1. Nov. (Anmerkung: 1846)
Gestern Abend 8 Uhr wurden wir plötzlich durch Feuerruf erschreckt. Sturmglocken ertönten, die Löschmannschaften eilten mit ihren Eimern fort und die hiesige Feuerspritze setzte sich ungewöhnlich schnell in Bewegung. Es waren Eilboten angekommen, in dem 3 Stunden von hier entfernten Städtchen Ebern sey eine Feuersbrunst ausgebrochen. 

Bei der Ankunft dortselbst ergab sich jedoch, daß man auf Veranlassung eines religiösen Vorgängnisses die Häuser beleuchtet hatte, welcher Umstand mehrere Einwohner eines nahe gelegenen Dorfes zu der Meinung führte, das Städtchen stehe in Flammen. Da die Löschmannschaft indessen gut regalirt worden seyn soll, so dürfte vielleicht mancher, wenn auch weniger gefährliche Brand, als Folge des Quid pro quo’s zu betrachten gewesen seyn.“
(ibg, 3.8.2017)

∗∗∗
FREIZEIT • Sportlicher Bürgermeister mountainbikt durch den Altkreis

Fahrrad-Tour nach Pettstadt

Pettstadt-Teich
Abgebildet: Pettstadt im Lautergrund

Vom Eberner Bürgermeister Jürgen Hennemann bei Facebook am 30. Juli 2017 gepostet: Ein Hinweis auf seine Rad-Tour von Ebern nach Pettstadt und zurück mit Freunden. Die Strecke ist auf der Webseite „gpsies.com“ online hinterlegt. Gesamtlänge laut Webseite: 25,7 Kilometer, Höhendifferenz 188 Meter. 

Abgebildet: Mountainbike-Tour Ebern – Pettstadt

∗∗∗
INTERNET • Ein fränkischer Baron bloggt über Franken, Gott und die Welt

Adel Inside: Hier bloggt der Baron

Rentweinsdorf-Schlossansicht
Abgebildet: Schloss Rentweinsdorf, von der Baunachseite aus gesehen

Man kennt es so: Die Regenbogenpresse verfasst Geschichten über den Adel und Blogs beschäftigen sich mit ihm.

Hans Freiherr von Rotenhan stammt aus Rentweinsdorf und hat den Spieß umgedreht. Er bloggt und schreibt über sich, die Menschen um ihn herum, seine Heimat, Rentweinsdorf und die Balearen.

Mallorca-01
Abgebildet: Kathedrale der Heiligen Maria in Palma de Mallorca

Laut Lebenslauf ist er als spanischer Anwalt zugelassen und lebt in Berlin. In seinem Blog HansRotenhan.com lässt er eigentlich kaum ein Thema aus.

Ob es um Tipps für das Leben auf Mallorca geht, um Franken, Kunst, Recht, FKK oder ein anderes Sujet – Hans Freiherr von Rotenhan, der einst Pfarrer werden sollte (aber nicht wollte), ist nie um eine unterhaltsame Anekdote verlegen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Sein Blog ist nicht nur für Fans des Altlandkreises Ebern ein geistreicher Festschmaus mit Kultpotenzial. Lesen!
(ibg, 19.7.2017)

∗∗∗
HEIMATKUNDE • Wie Eyrichshof zum Namen und zur Pfarrei kam

Geschichte: Eyrichshof

Eyrichshof, Schlosskirche-016
Bild: „Eyrichshof, Schlosskirche“, Tilman2007, Lizenz: CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Einst soll hier eine bestimmte Henne ihr Ei abgelegt haben,
später wurde dort eine eigene Pfarrei gegründet

Der folgende Text (mit originaler Rechtschreibweise) stammt wörtlich aus der Süddeutschen Reichs-Post vom 10.9.1875:

„Ein … stattliches Schloß, von einem prächtigen Park umgeben, befindet sich nördlich von Ebern im Pfarrort Eyrichshof, über dessen Namen folgende Sage Auskunft geben will.

Bei der Zerstörung der Burg Rotenhan im Jahr 1323 wurde die Gemahlin des Schloßherrn im Burgkeller, in den sie sich geflüchtet, verschüttet und fristete ihr Leben nur dadurch, daß eine dort mit ihr verschüttete Henne ihr täglich ein Ei legte.

Als sie wieder aus dem Keller befreit wurde, nahm sie die Henne aus Dankbarkeit mit sich und bestimmte, daß da, wo dieselbe das erste Ei legen würde, das neue Schloß erbaut werden solle.

Vom Berge herab gestiegen, ließ sie die Henne laufen; dieselbe legte da, wo jetzt das Schloß steht, ein Ei, weshalb man das dort gebaute Schloß Eirichshof nannte.

Eingebettetes Youtube-Video: Castle Eyrichshof – FPV flight von „LehmannBrothers“

In dem geschmackvoll eingerichteten Gartenhause weilte oft Kurfürst Lothar Franz von Mainz, der sich häufig im nahen Bamberg aufhielt. Sebastian II. wollte hier eine eigene Pfarrei errichten und sich deshalb von der Pfarrei Ebern gänzlich trennen, was jedoch zu großen Streitigkeiten führte; indessen stellte er 1579 einen Prädicanten an, der im Schloß wohnte.

Doch die Geistlichen von Ebern erlaubten sich fort und fort alle möglichen Eingriffe und wollten auch die neuerbaute Kirche als ihr zugehörig betrachten, weshalb sie häufig, begleitet vom fürstbischöflichen Amtmann von Raueneck, Processionen hieher machten.

Den evangelischen Geistlichen drohte man gefangen nach Würzburg zu schaffen, so daß derselbe kaum das Schloß zu verlassen wagte und am Ende seine Stelle niederlegte.

Erst als Sebastians Sohn Adam Hermann, hochberühmt als Statthalter Frankens unter König Gustav Adolph, wie auch hervorragend als gleichzeitiger Kreisdirector der fränkischen Ritterschaft, nach Eyrichshofen zog und 1611 eine eigene Schloßpfarrei errichtete, trat voller Friede ein.

Mit dieser Pfarrei wurde das nahe Fischbach als Filial verbunden, welches seinen Namen von den vielen umher befindlichen Fischteichen hat und worin die Rotenhan’sche Familie gleichfalls ein Schloß besaß; Hans Georg, der edle Ritterhauptmann, der sich auch durch seine vielen frommen Stiftungen auszeichnete, gründete im Schloßhof eine kleine protestantische Capelle, während die bisherige Kirche dem katholischen Cult verblieb und lange noch von den Geistlichen zu Pfarrweisach besucht wurde.“ 773

∗∗∗
HEIMATKUNDE • Was waren eigentlich Distrikte?

Die Distriktgemeinde Ebern

Distrikte-Ebern-Baunach
Grafik: Im-Baunachgrund.de

Vom Krankenhaus Ebern heißt es, es sei 1912 für die Distrikte Ebern und Baunach eröffnet worden. Was hat es eigentlich mit diesen „Distrikten“ auf sich? Wozu dienten sie und wie groß waren sie? Ein Blick zurück in die Geschichte.

Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1802/1803 gelangte Ebern vom Hochstift Würzburg zunächst ans kurfürstlich regierte Bayern. Von 1806 bis 1814 war die Stadt Teil des Großherzogtums Würzburg und fiel danach durch die Folgen des Wiener Kongresses zusammen mit dem Großherzogtum wieder an das 1806 zum Königreich gewordene Bayern zurück.


Karte Hochstift Würzburg (edit)
Bild: „Karte Hochstift Würzburg um 1700“ via Wikimedia Commons,
Johann Baptist Homann; User Carport; gemeinfrei, Public Domain


Landgerichte

Schon im Jahr 1802 wurden in Bayern durch eine von Kurfürst Max Josef erlassene Verordnung Landgerichte eingeführt. Sie waren sowohl für die Verwaltung als auch für die Rechtsprechung verantwortlich. Auf dem Gebiet des späteren Landkreises Ebern waren die Landgerichte Gleusdorf (seit 1840: Baunach) und Ebern entstanden.

Distriktgemeinden

Obwohl der Begriff Distriktgemeinde erstmals in einem Gemeindeedikt aus dem Jahr 1818 erwähnt worden war, wurden erst 1852 – wie überall im Königreich Bayern – Distrikt(s)gemeinden gebildet, räumlich deckungsgleich mit den Zuständigkeitsbereichen der Landgerichte. Im Königreich Bayern wurden so insgesamt 240 Distriktgemeinden geschaffen, darunter auch Baunach und Ebern.

Die Distriktgemeinden waren Gemeindeverbände mit eigener Rechtspersönlichkeit und gelten deshalb als die ersten Vorläufer heutiger Landkreise. Zu den Aufgaben der Distrikte gehörte es, für Distriktstraßen und Sparkassen zu sorgen sowie Krankenhäuser und Altenheime zu bauen. Auch für überörtliche Schulen und die Anschaffung von Feuerwehrgerätschaften waren die Distrikte zuständig.

Bereits seit dem 13. Mai 1808 gab es in Bayern sogenannte Steuerdistrikte, mit deren Hilfe nicht nur das Eintreiben von Steuern verbessert, sondern auch das Staatsgebiet vermessen werden sollte.

Vom 1. Juli 1862 an wurden schließlich Rechtsprechung und Verwaltung getrennt. Die Rechtsprechung blieb bei den Landgerichten, für Verwaltungsaufgaben waren die neu konzipierten 143 Bezirksämter im Königreich Bayern zuständig.

Im neuen Bezirksamt Ebern bestanden bis 1919 die beiden Distriktgemeinden Baunach und Ebern sowie die zwei Landgerichtsbezirke Ebern und Baunach fort. Erst 1919 wurden die Distriktgemeinden (Selbstverwaltungsgesetz vom 22. Mai 1919) zum Bezirk Ebern als Gebietskörperschaft vereinigt. 1939 wurden die Bezirke in Landkreise umbenannt.

Seit 1879 hießen die bisherigen Landgerichte im ganzen Kaiserreich einheitlich Amtsgerichte (Gerichtsverfassungsgesetz vom 1. Oktober 1879), so auch in Baunach und Ebern. 1932 wurde das Amtsgericht Baunach aufgehoben und mit dem Bezirk des Amtsgerichts Ebern vereinigt.

Aemtergebaeude-Ebern
Abgebildet: Ämtergebäude in Ebern

Nach der bayerischen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 umfasste das Bezirksamt Ebern 19.920 Einwohner, davon 11.029 Einwohner im Landgericht bzw. Distrikt Ebern.

94 Ortschaften in 44 Gemeinden im Landgericht bzw. Distrikt Ebern:

Albersdorf (129 Einwohner), Allertshausen (181), Altenstein (406), Bischwind a./R. (300), Bischwind b./H. (176), Bramberg (178), Dürrenried (99), Ebern, Stadt (1.116), Eckartshausen (177), Eichelberg (148), Eyrichshof (290), Fischbach (273), Frickendorf (Brünn) (265), Gereuth (151), Gückelhirn (259), Hafenpreppach (347), Heilgersdorf (514), Heubach (160), Hofstetten (179), Jesserndorf (185), Junkersdorf (208), Kraisdorf (300), Leuzendorf (182), Lichtenstein (237), Lohr (211), Lossbergsgereuth (154), Marbach (175), Maroldsweisach (569), Memmelsdorf (607), Neuses (96), Obermerzbach (113), Pfaffendorf (208), Pfarrweisach (336), Preppach (278), Rabelsdorf (117), Recheldorf (201), Reutersbrunn (138), Untermerzbach (575), Voccawind (131), Vorbach (126), Wasmuthausen (210), Weissenbrunn (119), Welkendorf (98), Wüstenwelzberg (107)

(ibg, 3.6.2017)

∗∗∗
HEIMATKUNDE • Aus dem Intelligenzblatt für Unterfranken, 1842

Die Gemeinden im Distrikt Ebern

Buehl-Ort
Abgebildet: Ortsansicht von Bühl

Intell-Blatt-02
Bild: Nachempfundener Zeitungskopf des Intelligenzblattes
von Unterfranken und Aschaffenburg, ohne Wappen


Es gab sie seit dem 18. Jahrhundert, und sie trugen Namen wie zum Beispiel „Intelligenzblatt“. Heute würden wir sie Amtliche Mitteilungsblätter nennen. Veröffentlicht wurden u.a. Mitteilungen der Regierung, Gerichtstermine, Zwangsversteigerungen, aber auch private Kleinanzeigen und sogar die Namen von in Beherbergungsbetrieben übernachtenden Fremden.

Das Wort „Intelligenz“ kommt vom lateinischen Verb „intellegere“, was soviel wie einsehen, erkennen, verstehen, begreifen, bemerken, erfassen bedeutet. Demnach stand der erste Bestandteil im Wort „Intelligenzblatt“ einfach für „Nachrichten“.

Das Intelligenzblatt von Unterfranken und Aschaffenburg (Nr. 118, S. 712, 713) listet in seiner Ausgabe vom 15. Oktober 1842 die Umlagen der Abgabepflichtigen im (Steuer-)Distrikt Ebern auf. 

Bemerkenswert, dass Namen von Ortschaften genannt wurden, die es heute nicht mehr gibt, wie z.B. Abermannsdorf, Wölkendorf oder ggf. Heinersdorf. Wo mögen sie einst gelegen haben? – Abermannsdorf bei Römmelsdorf, Wölkendorf ist Welkendorf, und wo war Lindach?

Lindach, ein eingegangener Weiler und jetzt noch eine eigene Markung zwischen Allerts- und Ermershausen, im Landgericht Ebern. Die zu dieser Markung gehörigen Waldungen Lindach und Stegreif gehörten als Lehen den Freih. von Altenstein und Truchseß, welche letztere Familie schon zu Anfang des 17. Jahrh. ihren Antheil an die Universität Würzburg, und in den 1770. Jahren auch die von Altenstein ihren Theil dahin verkauft haben. Durch den im J. 1820 zwischen dem Staate und dieser Stiftung geschlossenen Austausch-Vertrag kam dieser Wald wieder an den Staat.“

Aus: Topo-geographisch-statistisches Lexikon vom Königreiche Bayern, verfasst von Dr. Joseph Anton Eisenmann und Dr. Carl Friedrich Hohn, Erlangen 1840, S. 1090

An der Staatsstraße 2204, von Kaltenbrunn kommend, Richtung Autenhausen liegt kurz vor Seßlach ein Heinersdorf – ist es jenes aus dem Distrikt Ebern?

Heinersdorf, pol., Hof, 2 1/4 St. vom A. S., 3 Wohnh., 3 Fam., 22 Seelen, 17 Kath., 5 Protest, P. G. Heilgersdorf, 1 Mahlmühle mit 2 Gängen, 1 Schneidmühle;

Aus: Statistisch-topographisches Handbuch für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern, bearbeitet von Anton Rottmayer, Würzburg 1830, S. 150

Verwundern dürfte vielleicht auch, dass Käßlitz (heute Südthüringen) aufgelistet wurde. Hatte der Ort im Jahr 1840 zum Distrikt Ebern gehört? Wikipedia schreibt, dass Käßlitz im Jahr 1839 zum Herzogtum Sachsen-Meiningen gelangte.

Rothenbühl ist das heutige Bühl, und Bramberg gehörte noch nicht zum Distrikt Ebern im gleichnamigen Landgericht.

Bayerische Staatsschuldentilgungscommission 50 Gulden 1866
Bild: „Banknote der Bayerischen Staatsschuldentilgungscommission, 1866“
via Wikimedia Commons, Karsten11, gemeinfrei, Public Domain


Verzeichniß der zur Distrikts-Kasse des königl. Landgerichts Ebern pro 1840/41 erhobenen Distrikts-Umlagen nach den Leistungen der einzelnen Gemeinden und übrigen Debenten.“

Gutsherrschaften
1. Freiherr von Albini zu Dürrenried
2. Freiherr von Altenstein zu Pfaffendorf
3. Freiherr von Erthal zu Leuzendorf
4. Graf von Coudenhofen allda
5. Graf von Rotenhan zu Merzbach, mit Freih. v. Bibra im Ganzen
6. Herr v. Pawel Ramingen zu Wiesen
7. Freiherr von Horneck zu Maroldsweisach
8. Herr v. Hirsch zu Gereuth
9. Das Julius-Spital zu Würzburg
10. Freiherr v. Oberkamp zu Wiesenbrunn
11. Graf v. Rotenhan zu Merzbach von seinen Propre Besitzungen
12. Freih. v. Rotenhan zu Eyrichshof einschlüssig vom Fuchsrangen und Kühholz
13. Freih. v. Schrottenberg zu Marbach
14. Freih. v. Truchseß auf Bettenburg
15. Freih. v. Thüngen zu Ditterswind

Gemeinden
16. Altenstein die Gemeinde
17. Allertshausen
18.  Käßlitz 
19. Albersdorf
20. Abermannsdorf d. dto. Leuzendorf
21. dto. von Römmelsdorf
22. Bischwind b/H.
23. Bischwind a/R.
24. Breidenbach die Söldner
25. Brünn
26. Buch
27. Dürnhof
28. Dürrenried
29. Ebern die Stadt
30. Eberer Waldwiesen
31. Ebern vom Haßwalde
32. Preppach desgleichen
33. Vorbach desgleichen
34. Eckartshausen
35. Eichelberg
36. Eyrichshof
37. Frickendorf
38. Fischbach
39. Fierst
40. Gemünd
41. Gereuth
42. Geroldswind
43. Gückelhürn
44. Hafenpreppach
45. Heilgersdorf
46.  Heinersdorf 
47. Herbelsdorf
48. Heubach
49. Hofstetten
50.  Hohenbirkach 
51. Jesserndorf
52. Junkersdorf
53. Kadersmühle
54. Kraisdorf
55. Kurzenwind
56. Lichtenstein
57. Lind
58.  Lindach 
59. Leutzendorf
60. Losbergsgereuth
61. Lohr
62. Lützelebern
63. Maroldsweisach
64. Marbach
65. Memmelsdorf
66.  Neumühle 
67. Neuses
68. Ottneuses
69. Obermerzbach
70. Pfaffendorf
71. Pfarrweisach
72. Preppach die Gemeinde
73. Rabelsdorf
74. Recheldorf
75. Reutersbrunn
76. Römelsdorf
77.  Rothenbühl 
78. Ruppach
79. Sandhof
80. Saarhof, der kleine
81.  Streitholz  bei Gückelhürn
82. Setzelsdorf
83. Siegelfeld
84. Todtenweisach
85. Tramershof
86. Truschenhof die Privaten
87. Untermerzbach
88. Vokkawind
89. Vorbach
90. Waßmuthshausen
91.  Wölkendorf 
92. Weisenbrunn
93. Wüstenwelzberg
Die Schreibweise der Orte entstammt dem Intelligenzblatt.

∗∗∗
CRAZY • Fünf abgedrehte Ideen mit Umfrage!

Die 5 verrücktesten Ideen für Ebern

Welche ist die verrückteste Idee für Ebern?
Einen alten Eisenbahnwaggon am Bahndamm aufstellen
Ein Labyrinth in den Anlagen anpflanzen
Einen Stadtgipfelpfad über den Dächern der Altstadt anlegen
Gondelfahrten auf der Baunach oder dem Mühlbach ermöglichen
Einen Gummistiefelweitwurf-Wettbewerb veranstalten
QuizMaker
∗∗∗
GESCHICHTE • Strecke 85 von Bamberg nach Eisenach

Historische Autobahnpläne

Karte-Autobahn

Dass es einst Ideen gab, die Bahnstrecke über Maroldsweisach hinaus zu verlängern, dürfte vielen bekannt sein. Weniger verbreitet dürfte die Kenntnis von alten Plänen sein, wonach von Bamberg nach Eisenach eine Autobahn gebaut werden sollte. Als Teilstück der kürzesten Verbindung von München nach Hamburg.

Im Conti-Atlas von 1938 war die sogenannte Strecke 85 sogar schon eingezeichnet. Von Erlangen über Höchstadt und Adelsdorf kommend, sollte es bei Burgebrach einen Abzweig nach Norden geben. Diese Strecke 85 sollte weiter zwischen Bischberg und Gaustadt sowie zwischen Oberhaid und Hallstadt an Baunach östlich vorbeilaufen. Glaubt man dem Conti-Atlas, dann wäre die Autobahn ungefähr der alten östlichen Hochstraße entlang des Baunachgrundes gefolgt. Östlich an Ebern vorbei, aber noch westlich von Untermerzbach weiter über Altenstein, Wasmuthhausen und Lindenau nach Heldburg. Von dort wäre es weitergegangen über Meiningen und Schmalkalden nach Eisenach, wo Strecke 85 Anschluss an andere Autobahnen gehabt hätte.

∗∗∗
FILMISCHER VERGLEICH • 25 Jahre nach dem Zuzug eines Lehrers
Video-Link

Damals, 1959 und 1984 in Ebern

Badgasse-sw-Ebern-02

Zwei Filme über Ebern seien hier erwähnt; sie stammen aus den Jahren 1959 (Autor: Richard Dill) und 1984 (Gerhard Ledebur).

Anno 1959 zog ein Lehrer nach der kleinen Kreisstadt in Unterfranken. Das war der sogenannte „Aufhänger“ für den Streifen, denn eigentlich gab es keinen Anlass, Ebern filmisch zu verewigen.

O-Ton 1959: „In Ebern gibt es keine Heilquelle und kein Spielcasino, keine Vierlinge und keinen Wintersport. Kein Heimatfestspiel und keinen Fremdenverkehr. Und gerade deswegen sind wir nach Ebern gefahren.“

Der nächste, der nach Ebern ziehen wollte, über den sollte der Bayerische Rundfunk (BR) damals einen Film machen. Und das war Herr Lindwurm, ein Lehrer an der früheren Mittelschule, heute Realschule.

Herr Lindwurm spielte dann doch nur eine Nebenrolle. Entstanden ist ein Porträt der Stadt, ein Zeitdokument, das uns aus heutiger Perspektive erstaunliche Ansichten zeigt:

So besaß zum Beispiel 1959 das große Fachwerkhaus hinter dem Neptunbrunnen noch kleine Fenster im Erdgeschoss. Das Café Spitlbauer sieht man in seiner ursprünglichen Bauform, wie sie vor dem kompletten Neuaufbau (nur die Frontseite blieb stehen) bestanden hatte.

Und am Marktplatz war jeden zweiten Montag Schweinemarkt, die freiwillige Feuerwehr rückte noch aus der Rathaushalle aus. Die Fenster am Finanzamt waren von Läden umrahmt, und der Stadtrat hatte nur neun Mitglieder.

Man staunt weiter: der Zug am Bahnhof wurde von einer Dampflok gezogen, dem Bahnhof fehlten noch seine Erweiterungsbauten, die er erst in den 60er-Jahren bekommen sollte.

Wir blicken in eine Zeit zurück, in der man durchaus auch praktisch eingestellt war: „Wenn die Stadt ein neues Schulhaus baut, kann sie das Bauholz aus dem eigenen Wald holen.“

Das Spital wurde im Winter mit Brennholz aus dem Spitalwald geheizt, in der Apotheke besorgte man sich Franzbranntwein gegen seine Zipperlein, und im städtischen Brauhaus wurde noch richtiges Bier hergestellt.

25 Jahre später, im Jahr 1984, besuchte erneut ein Filmteam die Stadt: Der Filmemacher Gerhard Ledebur zog den Vergleich zwischen dem Gestern (1959) und dem damaligen Heute (1984). 2009, weitere 25 Jahre später, hätte es sich angeboten, eine dritte filmische Rückschau zu halten. Leider gab es sie nicht. 1487

Video-Link

Youtube:  Video – „Damals in Ebern, 1959 und 1984“

∗∗∗
STADTTÜRME • „Alle neune“
Grafik

Das interaktive Kegelspiel

Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Ebern besaß einst 8 Türme, zusammen mit dem Kirchturm in der Stadtmitte ergab das ein „Kegelspiel“ mit neun „Kegeln“. Der Zeitlauf hat drei Türme „gekegelt“. Es fehlen heute der Badgassenturm, der Eulenturm und der nördliche Spitaltorturm.

∗∗∗
GESCHICHTE • Die juristischen Ritter von Ebern

Die Ritter von Ebern

Nikolaus von Koch (IZ 46-1866 S 108 ANeumann)
Bild: via Wikimedia Commons, Public Domain
Nikolaus Ritter von Koch in der „Illustrirten Zeitung“, Bd. 46 (1866)


Wir kennen das heute nur noch aus der Regenbogenpresse: Wenn die Queen einen Popstar oder Schauspieler adelt, dann in der Regel mit einem nicht erblichen Titel. Im 19. Jahrhundert war es auch in Bayern noch Usus, nicht erbliche Adelstitel zu verleihen. Die Geehrten durften sich dann „Ritter von ...“ schreiben. Zwei Bürger, die mit Ebern verbunden waren, seien hier kurz vorgestellt.

Nikolaus Ritter von Koch (1806 in Fulda – 1866 in München)

Nikolaus Koch war mit seinem Vater 1823 aus Fulda nach Ebern gekommen, der hier von 1823 bis 1833 als königlicher Landrichter arbeitete. 

1830 legte Koch sein Examen der Rechtswissenschaften in Würzburg ab. Sieben Jahre später wurde er in die Eberner Bürgerschaft aufgenommen und heiratete. Und er war der Schwager von Ernst Schmidt, dem „rothen Doktor von Chicago“, S. 270.

1852 wurde Koch Regierungsrat in Würzburg, im gleichen Jahr noch Ministerialrat beim königlichen Staatsministerium des Innern in München. 

Im Jahr 1859 erhielt Nikolaus Koch das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone. Er trat damit in den persönlichen, nicht erblichen Adelsstand ein und hieß seither Nikolaus Ritter von Koch. 1863 folgte die Auszeichnung als Comthur des Verdienstordens vom heiligen Michael.

Von 1863 bis 1864 war er Präsident der königlichen Regierung von Oberfranken. Danach folgte – unter König Ludwig II. – die Ernennung zum Staatsminister des Innern, Abteilung Kirchen und Schulangelegenheiten. 1865 wurde er schließlich Ministerverweser des Staatsministeriums des Innern.

Am 19. Januar 1866 starb Ritter von Koch 60-jährig an Typhus. Die Grabrede hielt Abt Daniel Bonifacius Haneberg, der damals darauf hinwies, dass sieben seiner neun Kinder „noch unversorgt“ waren.

Gottfried Ritter von Schmitt (1827 in Hofheim i.UFr. – 1908 in Ebern)

Der zweite Ritterschlag fand 30 Jahre später statt. Prinzregent Luitpold zeichnete im Jahr 1889 Gottfried Schmitt mit dem Komturkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone aus. Von da an durfte sich Schmitt „Ritter von Schmitt“ nennen, denn die Ehrung war auch mit der Erhebung in den persönlichen, nicht erblichen Adelsstand verbunden.

Schmitt war Gastwirtssohn aus Hofheim i.UFr. und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Münnerstadt in Würzburg Jura. Nach diversen beruflichen Stationen als Richter wirkte er 1866 am Bezirksgericht Bamberg. 1869 wurde er Appellationsgerichtsrat und ins bayerische Justizministerium berufen, wo er 1874 Ministerialrat wurde.

In Berlin wirkte er an der Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuches und der Zivilprozessordnung mit. Es folgten Stationen als Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg und 1891 als Präsident des Obersten Bayerischen Landesgerichts. 1897 wurde er in den Reichsrat der Krone Bayerns berufen, eine Kammer, die zwischen der bayerischen Krone und dem Parlament vermittelte.

Heute soll in Ebern die Ritter-von-Schmitt-Straße an Gottfried Schmitt erinnern. Der verdienstvolle Jurist wurde 1827 geboren und starb 1908 auf seinem Landsitz in Ebern.

Gottfried Ritter von Schmitt ist nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Joseph Ritter von Schmitt, der 1838 ebenfalls in Hofheim i.UFr. geboren wurde, Karriere als Justizrat und königlicher Advokat machte und 1907 oder 1908 in Bamberg verstarb. In Bamberg ist ihm die Dr.-von-Schmitt-Straße gewidmet.

Commission zur Ausarbeitung des Entwurfs eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs
Bild: via Wikimedia Commons, Public Domain
Gottfried Ritter von Schmitt (dritte Reihe, links) in der Kommission für das BGB (Stich von Hermann Scherenberg, 1875)


∗∗∗
ZUM MITMACHEN • So buchstabiert sich unsere Stadt

Das EBN-Buchstabieralphabet

Buchstabieralphabet-2

Schlagwörter finden, die die eigene Stadt von A bis Z widerspiegeln? Ist doch einfach, mag man sich vielleicht denken. Nur, dazu muss man seinen Ort ein bisschen kennen. Vor zwei Jahren rief der Birgit-Ebbert-Blog zur Blogparade „Meine Stadt von A bis Z“ auf. Und tatsächlich hatten sich viele andere Blogger/innen beteiligt und ihre Stadt verschlagwortet.

Für Ebern sei dies nun nachgeholt. Probieren Sie es doch auch einmal für Ihren Ort aus! Sie werden merken, irgendwie scheint vieles, was erwähnenswert ist, mit den gleichen Buchstaben zu beginnen. Und was fällt einem bloß zum Y ein?

∗∗∗
EBERNER KÄPPELE • Baute ein sich kasteiender Eremit die 2. Barbara-Kapelle?

Zur Geschichte des Käppeles

kaepp-e med hr

Das heutige Käppele St. Barbara wurde 1958 gebaut und am 14. Juni 1959 vom damaligen Stadtpfarrer, dem Geistlichen Rat Dr. Wilhelm Haller, geweiht. Gestiftet wurde es von Kriegsheimkehrern. Zur Geschichte des Eberner Käppeles scheint nicht allzu viel bekannt zu sein, außer dass es einen historischen Vorgängerbau gegeben hatte.

Ob dieser an gleicher Stelle wie das heutige Käppele stand, bleibt wohl fraglich, denn am modernen Bau entstehen immer wieder Risse, verursacht durch Bewegungen im Berg. Ein Umstand, der nicht unbedingt auf ein altes Fundament schließen lässt?

Näheres zur alten Kapelle St. Barbara erfährt man aus einem von Google digitalisierten Buch, das einem Stempel nach offenbar in der „Bodleian Library“ steht, der Hauptbibliothek der Universität von Oxford (Großbritannien).

Es handelt sich um das „Klosterbuch der Diöcese Würzburg“, II. Band, Geschichte der übrigen Klöster und klösterlichen Institute von Georg Link, Pfarrer in Neustadt am Main, Würzburg 1876, S. 58 – 59:

„Auf dem Vordergipfel des Berges links der von Ebern nach Unterpreppach führenden Straße stand vordem die St. Barbarakapelle, wohin viele Andächtige wallten. Schon i. J. 1452 treffen wir einen Ablaß an, welcher den Besuchenden verliehen wurde. Als diese Kapelle verfallen war, wurde am 5. Oktober 1654 ein Aufruf zur Wiedererbauung erlassen. Der Eremitenbruder Philipp Steigleder leitete den Neubau. Nach vier Jahren weihte der Fürstbischof diese Kapelle zu Ehren der hl. Barbara ein. Alsbald sehen wir Verschiedene, so auch die Baunacher wieder in Prozession zu derselben wallen.

Zwei Tage vor Weihnachten 1666 schlug der Blitz in diese Kapelle; sie brannte ab. Bruder Philipp rettete Manches vom Kirchengeräthe, besonders das Altarbild von unserer Nothhelferin, der hl. Barbara. Dies Bild kam in die Marienkapelle zu Ebern und ziert gegenwärtig den linken Seitenaltar. Noch jetzt wird am St. Barbaratag dahin gewallt und da Hochamt und Predigt gehalten.

I. J. 1668 stellte der Bürgermeister und Rath dem bemerkten Brudereremiten, der dem dritten Orden des hl. Franziskus angehörte, einen Vorweis zu einer Reise nach Tyrol aus. Von dieser Kapelle zur hl. Barbara, der Patronin zur Erreichung einer glückseligen Sterbstunde, sind nur noch wenige Fundamente sichtbar. Eine lebendige Erinnerung ist der in der Nähe fließende ‚Einsiedlerbrunn‘ im Walddistrikt ‚Kapelle‘ oder ‚Neuhaus‘.“

Georg Ludwig Lehnes schrieb 1842 in seiner „Geschichte des Baunach-Grundes“:

„Über die Entstehung der einstigen Wallfahrtskirche St. Barbara, oder auch das Reuehaus genannt, liegt gar nichts vor; sie stand auf dem Berge zwischen Heubach und Preppach, auf welchem man in die Umgegend eine reizende Aussicht hat, und kommt (…) 1452 neben der Kapelle in Reutersbrunn, dann wieder 1535 vor. Im Jahre 1594 war sie bis auf das Mauerwerk verfallen; (...) am 19. September 1660 wallten die Baunacher wieder in Prozession zu derselben; 1745 ist sie abermals zur Ruine herabgesunken, und gegenwärtig bis auf die Grundmauern abgebrochen.“

Aus beiden Texten würde sich folgende Chronik ergeben:

1452 – Die Kapelle St. Barbara wurde neben der Kapelle in Reutersbrunn erwähnt, vermutlich ging es um Ablass

1535 – Abermals urkundliche Erwähnung

1594 – Die Kapelle ist bis auf das Mauerwerk verfallen

1654 – 5. Oktober Aufruf zur Wiedererbauung; der Eremitenbruder Philipp Steigleder vom Dritten Orden des hl. Franziskus leitete den Neubau

1660 – Am 19. September wallten die Baunacher wieder zur Kapelle St. Barbara

1666 – Zwei Tage vor Weihnachten schlug der Blitz in die Kapelle ein, sie brannte ab. Bruder Philipp rettete u.a. das Altarbild der hl. Barbara. Das Bild kam in die Marienkapelle zum linken Seitenaltar

1745 – Die Kapelle ist erneut zur Ruine geworden und bis auf die Grundmauern abgebrochen worden

1958 – Neubau der St.-Barbara-Kapelle

1959 – 14. Juni Weihe durch Stadtpfarrer, Geistl. Rat Dr. Wilhelm Haller

Mit Georg Ludwig Lehnes Bemerkung, die Kapelle sei 1745 abermals zur Ruine geworden, entsteht die Frage, ob die Kapelle nach dem Brand von 1666 ein zweites Mal wiederaufgebaut worden ist?

Philipp Steigleder

Und wer war wohl der genannte Einsiedler Philipp Steigleder? Ein ebenfalls von Google digitalisiertes Buch aus der Österreichischen Nationalbibliothek könnte weiterhelfen. Es trägt den sperrigen Titel: „Heiliger Tyroler-Ehrenglanz, oder Lebensgeschichten heiliger, seliger, gottseliger, frommer und ausgezeichneter Tyroler. Gesammelt und neu bearbeitet zur Erbauung und Belehrung für Jedermann. IV. Heft, vom Jahre 1350 bis zum Jahre 1660.“ Innsbruck, 1844, S. 104 ff.:

„Der Zweite der frommen Einsiedler auf Kreßbrunn war Philipp Steigleder. Er ward im Jahre 1625 zu Bamberg geboren, und von seinem Vater, einem Rechtsgelehrten, zum Studiren bestimmt. Er verlegte sich eine Zeit lang zu Würzburg auf’s Latein und nebstbei auf die Musik, machte aber, leichten Sinnes und fröhlichen Gemüthes, wie er von Natur war, manchen jugendlichen Streich mit. 

Der Fortschritt in der Wissenschaft nahm dadurch eine minder glückliche Richtung; er wurde des Studentenlebens überdrüssig, und beschloß, seine stürmisch hingebrachte Jugend ernstlich abzubüßen. Aus der Hinterlassenschaft seines Vaters, welcher mittlerer Weile gestorben war, baute er sich in seiner Heimath eine Einsiedlerzelle, und lebte einige Zeit in strenger Abtödtung.

Dann trieb es ihn wieder in’s Weite, er zog als Pilger nach Rom, wo sein Geist frischen Muth und Lebenskraft einathmete. Auf seiner Heimreise hörte er zu Botzen von Jakob Müller, stieg zu ihm auf den Berg, gesellte sich im Jahre 1663 ihm bei, wurde auf sein Zureden bald Priester, theilte mit ihm alle geistlichen Pläne und Vorsätze, und war nicht minder eifrig in der Buße, als feurig im Ermahnen zu derselben.

Er ging in seinem Eifer so weit, daß er einmal 19 Tage gar nichts aß, und zu einem Leichengerippe zusammenschwand. Auf seiner Brust trug er ein hölzernes Kreuz, mit 33 Nägeln von Eisen, einwärts auf das bloße Fleisch gekehrt, und unter seiner Einsiedlerkutte hatte er über den ganzen Leib ein Bußkleid von Eisendraht, ähnlich einem Panzer.“

Einen weiteren Hinweis auf Philipp Steigleder gibt es im Staatsarchiv Bamberg. Für das Jahr 1659 ist dort eine „Bitte des Geistlichen Rats des Bistums Würzburg“ dokumentiert. Konkret ging es um die „Unterstützung für den Franziskaner-Pater Philipp Steigleder bei der Reparatur des Dachs der St.-Barbara-Kapelle in Ebern, wofür er Bauholz und Schiefer aus dem Amt Teuschnitz benötigt“.

∗∗∗
LINKSAMMLUNG  Heimatkunde  • Die besten Geschichten zur Geschichte

Die beste(n) Geschichte(n)

Kirchturm2-Ebern

Zur Geschichte von Ebern schlummern im Internet herausragende zeitgeschichtliche Dokumentationen. Manche haben Zeitungsredakteure oder freie Mitarbeiter/innen der Lokalzeitungen recherchiert und als Artikel veröffentlicht, andere Hobby- und Heimatforscher in ihrer Freizeit mühsam zusammengetragen. Dabei fußen die Ergebnisse der Nachforschungen oft auf vereinsgeschichtlichen Chroniken, wissenschaftlicher Forschungsarbeit oder mündlicher Überlieferung. Die besten Geschichten aus dem Netz zur Eberner Stadtgeschichte möchten wir hier zusammentragen.

∗∗∗

Mehr von Ebern aus der Zeitung:

Für die Inhalte dieses automatischen Nachrichtenimports (Widget) ist infranken.de verantwortlich.

  Teilen     Facebook     Twitter    
© Im-Baunachgrund.de 2015 – 2018